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Regional Wohlfühlatmo im Wohnzimmer
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12:09 26.11.2017
Tim Bendzko auf seiner Tour „Mein Wohnzimmer ist dein Wohnzimmer“ in der Stadthalle. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

2011 landete Bendzko mit „Ich muss nur kurz die Welt retten“ seinen ersten großen Hit. Seitdem ist er eine beständige Größe im Bereich der deutschen Popsänger und Singer/Songwriter. Er hat inzwischen drei Alben veröffentlicht und Musikpreise wie den Echo gewonnen, trat beim Bundesvision Song Contest an, saß später dreimal in der Jury, war Juror bei „The Voice Kids“. Mühelos füllt der 32jährige Berliner auch große Hallen. Einmal im Jahr aber geht er auf Tour mit seinen „Wohnzimmerkonzerten“ in die schönsten, kleineren Hallen in Deutschland. Aufs Wesentliche reduziert will er sich präsentieren, mit vier Musikern an seiner Seite statt mit elf. Musiker und Fans sollen sich so wieder näher kommen.

Weiße Laken verdecken zunächst die Bühnenaufbauten, altmodische Schirmlampen hängen von der Decke, beleuchten die Bühne dezent. Ganz pur fängt Bendzko in Göttingen an. Kommt noch im Dämmerlicht raus, zieht die Laken von zwei roten Sesseln, knipst eine Stehlampe an und singt ohne Mikro, begleitet sich mit seiner Akustikgitarre. Unterstützt vom Mikro und seinem Schlagzeuger am Cajón geht es weiter, bevor der dritte Song dann vollverstärkt und mit der Band über die Rampe geht.

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Stehen, tanzen und lautstark mitsingen

Das schöne, so Bendzko zum Publikum, am Motto dieser Konzerte „Mein Wohnzimmer ist dein Wohnzimmer“ sei, dass „ihr heute Abend alles machen dürft, was ihr Zuhause auch macht, wenn ihr es euch bequem macht.“ Füße hochlegen, Schuhe ausziehen, beispielsweise. Schon beim dritten Song will das Publikum in der gut gefüllten Stadthalle aber lieber stehen, tanzen und lautstark und textsicher mitsingen.

Die vierköpfige Band um den Pianisten Fabian Sennholz liefert einen famosen Sound. Bendzko und seine Musiker spielen sich durch Songs wie „Wenn meine Worte Sprache wären“, „Am seidenen Faden“, „Sag einfach ja“, „Du warst noch nie hier“, „Auch wenn es gelogen ist“, „Keine Maschine“, „Beste Version“ – bunt gemischt aus seinen drei Alben. Leichte, zarte, angenehme Popsongs mit einem Sänger, der auch an diesem Abend gut bei Stimme ist.

Charmant und sympathisch

Zwischendurch plaudert er gekonnt, charmant und sympathisch mit seinem Publikum. Die notorischen Handyfilmer im Konzert nimmt er auf die Schippe. Genau 15 Sekunden lässt er das Konzert mitfilmen, „passt genau in jedes Social-Media-Format“, sagt er grinsend, und lässt für den zweiten Take einfach alles vom Band laufen. „Abschicken und dann bitte Handy in die Hosentasche und für den Rest des Abends da lassen“, wünscht sich Bendzko. Der Sänger holt eine Frau auf die Bühne, trinkt mit ihr Sekt, lässt darüber abstimmen, welchen Coversong die Band und er heute zum besten geben sollen. Zur Auswahl stehen „1000 mal berührt“ von Klaus Lage und der neueste Song von Xavier Naidoo. Es wird der Xavier-Song. Und dann gibt er gleich noch einen Coversong hinterher. Der habe beim ersten Voting, das er damals noch über das Internet gemacht habe, so schlecht abgeschnitten. Er verstehe das gar nicht, witzelt Bendzko und spielt „Verdammt ich lieb dich“ von Matthias Reim. Ob ihm klar ist, dass Reim so eine Art Göttingen Lokalmatador ist - er hat hier studiert und eine zeitlang gelebt – bleibt offen.

Leicht und angenehm sind seine Songs, einfach richtig gute Popsongs. Und Bendzko ist auch ein begabter Entertainer. Bedient die Sehnsüchte seiner Fans, gibt dem Publikum das Gefühl an ihn heranzukommen, tatsächlich in seinem Wohnzimmer zu sein. Nach drei ausgiebigen Zugaben verabschiedet sich Bendzko genauso pur wie er angefangen hat – ohne Mikro, mit Akustikgitarre – mit „Warum ich Lieder sing“ von seinem restlos begeisterten Publikum.

Von Christiane Böhm

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