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Regional Tom Sawyer und Huckleberry Finn im Jungen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Tom Sawyer und Huckleberry Finn im Jungen Theater Göttingen
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20:55 25.10.2013
Gintas Jocius,  Natascha Manthe und Sascha Werginz (von links). Quelle: EF
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Göttingen

Tom und Huck“ heißt die Bühnenfassung der Romane „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ und „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ von Mark Twain, die Regisseurin Holle Münster jetzt am Jungen Theater Göttingen (JT) herausgebracht hat.

Ausstatterin Thea Hoffmann-Axtheim verzichtet so gut wie vollständig auf Requisiten – sie deutet Räume mit dem Licht an und kann dabei auf die Fantasie der Zuschauer vertrauen.

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Ebenso reduzierend geht die Regisseurin in ihrer Bühnenfassung mit der Besetzung um. Drei Personen reichen vollauf, nämlich Tom Sawyer (großer Junge, schlaksig, hübsch unbeholfen: Gintas Jocius), Huck Finn (immer eifrig und vorwärts stürmend: Sascha Werginz) und Becky Thatcher (wunderbar wandelbar in diversen Rollen: Natascha Manthe).

Tom und Huck

In einem Punkt verzichtet Münster auf Reduktion. Sie legt „Tom und Huck“ nicht als bloß unterhaltsame Lausbubengeschichte an, sondern stellt ohne störenden pädagogischen Zeigefinger die politischen und gesellschaftlichen Aspekte der Handlung heraus. Immer wieder erfahren wir etwas über das merkwürdig relativierte Verhältnis der Jungen zur Wahrheit.

Und über die Verbiegungen der Moral, wenn es um Sklaven geht.Ja, die Regisseurin lässt das Stück sogar mit einem unerwarteten Knalleffekt enden. Aber es wäre unfair, ihn zu verraten.

Ihren großen Charme bezieht die Inszenierung in erster Linie aus dem temporeichen Spiel der drei Akteure, die sehr schön Spannung zwischen den Figuren aufbauen können und dabei den Balanceakt auf dem schwankenden Floß perfekt beherrschen. Besonders hübsch ist es, dass einige Szenen als Schattentheater angelegt sind: Eine Prügelei mit einem Schatten verliert erheblich an Brutalität.

Das Floß hat übrigens schon einen Fan. Im JT-Gästebuch ist zu lesen: „Ich will auch so ein Floß! So supergut!“

Nächste Vorstellungen am 28. Oktober und 18. November um 18 Uhr sowie am 3. und 24. November um 16 Uhr. Karten unter Telefon 0 551/49 50 15.

Von Michael Schäfer