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Regional Tour d’amour quer durch die musikalischen Stile
Nachrichten Kultur Regional Tour d’amour quer durch die musikalischen Stile
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18:36 09.09.2011
Virtuose Pianistinnen mit Witz und Charme: die „Funtasten“ im Muthaussaal der Burg Hardeg. Quelle: Vetter
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Die Neugier des Publikums war groß: Mit mehr als 170 Zuhörern war die Kapazität des Saales erschöpft. Rüth und Folger haben beide eine gründliche Hochschulausbildung absolviert, und sie verweigern sich auch nicht, wenn vielleicht ein Instrument nicht unbedingt Konzertsaalniveau erreicht.

Eine musikalische „Tour d’amour“ unternahm das Duo mit seinem Publikum. Auf enge Tuchfühlung gemeinsam an einem Instrument gingen sie bei Piazzollas „Libertango“. In „Sous le ciel de Paris“ bewies Jennifer Rüth, dass sie nicht nur virtuos Klavier spielen, sondern auch sehr annehmbar singen kann. Eine wahre Pianistinnenschlacht lieferten sich die beiden in Liszts zweiter Ungarischer Rhapsodie, in der immer wieder eine Partnerin ihre Gegenspielerin vom Platz zu drängen versuchte, ohne dass irgendwo der musikalische Fluss ins Stocken geriet. Auch Originalwerke für zwei Klaviere haben sie im (stets auswendig vorgetragenen) Repertoire, etwa Darius Milhauds „Scaramouche“, aus dem der verträumt-zärtliche langsame Satz (Modéré) als besonders hübscher Ruhepunkt im sonst meist ziemlich wirbelnden Programm diente.

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Und sie machen nicht nur Musik, sondern auch Kabarett. Das gerät manchmal ein bisschen hausbacken, die Pointen wirken eher nett als scharf zugespitzt, und manche Nummern – etwa die Phonetische Interpunktion, hier an „Kann denn Liebe Sünde sein?“ – gehören zum Standardrepertoire des Genres. Doch besitzen die beiden „Funtasten“ die Gabe, all dies mit sehr viel Charme zu servieren. Das taten sie auch, als sie – für eine vereinfachte Fassung von Leroy Andersons „Type­writer“ – einen Mann aus dem Publikum auf die Bühne baten, eine Aktion, die sonst oft ein bisschen peinlich wirkt, hier aber überhaupt nicht. Am Ende erklatschte sich das Publikum mehrere Zugaben.

Die nächsten „Kultur im Kreis“-Termine: Cajun-Band „Le Clou“ am Sonnabend, 17. September, um 19 Uhr im Brotmuseum Ebergötzen; „Weiße Nächte“, Musik für Viola und Klavier, im Gutshaus Sennickerode am Sonntag, 18. September, um 19 Uhr.

Von Michael Schäfer