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Regional Fritz Weigle ist tot
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11:17 21.12.2018
F.W. Bernstein hat 2009 für das Apex gezeichnet.
F.W. Bernstein hat 2009 für das Apex gezeichnet. Quelle: Alciro Theodoro Da Silva
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Berlin/Göttingen

Fritz Weigle alias F.W. Bernstein ist am Donnerstag nach langer Krankheit gestorben, wie das Caricatura Museum Frankfurt mitteilt. Weigle wurde 2003 mit dem Satirepreis „Göttinger Elch“ ausgezeichnet. Bernstein war vor allem für seine Arbeit für die Satiremagazine „Pardon“ und „Titanic“ sowie als Mitbegründer der „Neuen Frankfurter Schule“ bekannt geworden. Er lebte in Berlin.

Aber auch mit Göttingen hat F.W. Bernstein, der im März seinen 80. Geburtstag feiert, viel zu tun. Hier lehrte er an der Pädagogischen Hochschule und wurde mit dem „Göttinger Elch“ ausgezeichnet, wurde er als „der wahre Aristokrat unter den deutschen Zeichnern“ gerühmt: „Dies nicht nur seiner imposanten Erscheinung, seiner exzellenten Umgangsformen, seiner beredten Gestik und Mimik, seiner entwaffnenden Höflich- und einnehmenden Herzlichkeit wegen.“

Leben und Werk

Fritz Weigle wurde 1938 in Göppingen geboren. Nach dem Abitur begann er ein Studium an der Kunstakademie Stuttgart, wo er Robert Gernhardt kennen lernte. Eine Keimzelle für die Beilage „Welt im Spiegel“ der satirischen Zeitschrift „Pardon“ und der „Titanic“ – und der Neuen Frankfurter Schule. Ab 1972 unterrichtete er an der Pädagogischen Hochschule, bevor er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Karikatur und Bildgeschichte an der Hochschule der Künste Berlin folgte.

Häufig wurde Weigle, der als F.W. Bernstein bekannt war, ausgezeichnet. 2003 erhielt er den Satirepreis „Göttinger Elch“, im selben Jahr auch den Binding-Kulturpreis. 2008 wurde ihm der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und der Wilhelm-Busch-Preis verliehen. 2018 folgte dann die letzte Auszeichnung, der Ludwig-Emil-Grimm-Preis für Karikatur. pek

Weggefährten und Bewunderer hatten ihn zu diesem feierlichen Anlass irgendwie genannt, vielleicht hatten sie es auch schon früher getan. Er sei „der Doyen der gepflegten Bösewichter“, sagte Tete Böttger, Göttinger Verleger und damals Jurymitglied. Einen Kollegen zitierte Jury-Sprecher WP Fahrenberg: Er, Bernstein, dichte aufs Feinste, Pinsel und Feder führe er wie kein anderer, Instrumente bediene er aufs Löblichste. Ein anderer soll ihn „Gentleman-Ganove“ geheißen haben. Hilmar Beck, damals wie heute Leiter des städtischen Fachdienstes Kultur, damals noch unter Kulturamt bekannt, schätzte Bernstein als „honorig“. Und Laudator Bernd Rauschenbach von der Arno-Schmidt-Stiftung meinte gar, Bernstein für seine Zeichnungen auszuzeichnen, sei wie Mozart für seine Kanons zu ehren.

Bildgewaltige Ausstellung

Im Anschluss an die Verleihung, die damals noch im Alten Rathaus von dem amtierenden Oberbürgermeister Jürgen Danielowski (CDU) vorgenommen wurde, öffneten sich die Türen zu einer bildgewaltigen Ausstellung mit Bernstein-Werken. Schon einige Tage vorher hatte er damit begonnen, vor Ort ein groß dimensioniertes Bild für die Schau zu malen, acht mal zwei Meter im Format.

Viele Menschen sollten auf dem Bild zu sehen sein, darunter auch einige, die man kennt. Die Riege der fünf Elch-Preisträger vor ihm, Chlodwig Poth, Robert Gernhardt, Gerhard Polt, Harry Rowohlt und Marie Marcks, sollte wie in einer ­Revue paradieren. Der große Göttinger Denker und Spaßvogel Georg Christoph Lichtenberg dürfe nicht fehlen, sagte Bernstein. Verleger Böttger werde im Profil auftauchen.

Von Peter Krüger-Lenz

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