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Regional Transparent und beseelt im Ton
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18:59 29.11.2010
Boreas-Quartett: Jin-Ju Baek, Julia Fritz, Luise Manske und Elisabeth Champollion (v.l.).
Boreas-Quartett: Jin-Ju Baek, Julia Fritz, Luise Manske und Elisabeth Champollion (v.l.). Quelle: Heller
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Als am Sonntag das Bremer Boreas-Quartett im Alten Rathaus die Adventszeit musikalisch eröffnete, traf man alte Bekannte wieder: Zuletzt waren die vier Damen 2008 am gleichen Ort zu hören. Sie spielen Blockflöte. Doch dieses Wort in der Einzahl zu gebrauchen, verbietet sich beim Boreas-Quartett eigentlich. Denn die Musikerinnen bringen ein ganzes Arsenal von Instrumenten mit, passend zur Stilepoche der aufgeführten Werke. An den Anfang stellten sie ein Bündel Renaissancesätze von Haßler, Byrd, Baldwin, Tallis sowie Cipriano de Rore und Giovanni Battista Bovicelli: hier wohltuend sanfte, dort staunenswert virtuos bewegte Musik, perfekt im Zusammenspiel, beseelt im musikalischen Ausdruck.

Das Barockzeitalter war neben ausgesucht schönen Werken von Boismortier und Purcell vor allem durch Orgelstücke von Johann Sebastian Bach vertreten, die im Arrangement für Blockflötenquartett mit Transparenz und Beseeltheit im Ton bestachen. Hervorgehoben seien die Choralvariationen über „Vom Himmel hoch“ aus BWV 769 und das krönende Schlussstück des Konzerts, die Orgelfuge a-Moll BWV 543. Hier brillierten Jin-Ju Baek, Julia Fritz, Luise Manske und Elisabeth Champollion (die zudem kluge, sehr charmant vorgetragene Werkeinführungen gegeben hatte) in atemberaubender Präzision auch bei rasend schnellen Läufen. Ein purer Genuss.

Komplettiert wurde das Programm – nicht ganz auf demselben Qualitätsniveau – mit zwei Motetten von Viadana und Milans. Helmut Weckesser sang mit sonorem Bass die Solopartie, am Cembalo solide begleitet von Erdmuthe Binder.

Von Michael Schäfer