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Regional Trio d’Iroise eröffnet die neue Saison „Beethoven extraordinaire“
Nachrichten Kultur Regional Trio d’Iroise eröffnet die neue Saison „Beethoven extraordinaire“
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13:36 23.09.2019
Das Trio in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz. Quelle: R
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Göttingen

Das deutsch-französische Trio d’Iroise eröffnet den Konzertabend mit Beethovens Streichtrio Opus 9, Nummer 1 und damit mit einem Werk, dass es in zweifacher Hinsicht in sich hat: Zum einen erhob der Komponist mit diesem Werk die Gattung Streichtrio auf Konzertsaal-Niveau, zum anderen führt dieses Werk direkt zu seinen großartigen Streichquartetten. Violinistin Sophia Pantzier, François Lefèvre an der Viola und Cellist Caspar Wedell finden einen ernsten Duktus und Transparenz bei. Die Zuhörer nehmen die einzelnen Instrumente und die individuellen Emotionen klar wahr.

Faszinierend wie gleich im verträumten Adagio immer wieder Einzelstimmen aus dem Zusammenspiel herausleuchten. Die Violinistin spielt selbstbewusst, um die klangliche Balance zwischen allen drei Instrumenten zu halten und ein Gegengewicht zum Cello zu sein. Atemberaubend gelingt das Presto. In sehr schnellen Passagen zeigt das Trio, wie präzise es zusammenspielt. Gleichzeitig setzen die Musiker noch rhythmische Akzente, lassen versteckte Melodien aufblitzen und steigern sogar noch nebenbei Intensität und Dramatik. Atemberaubend.

Einer der renommiertesten Komponisten der Neuen Musik

Wer Beethoven als Avantgardisten seiner Zeit versteht, dem hat es gefallen, dass ihm an diesem Abend Wolfgang Rihm, geboren 1952, zur Seite gestellt wurde – einer der renommiertesten Komponisten der Neuen Musik. Der zweite Teil seiner „Musik für 3 Streicher“ sorgt denn auch für den Gänsehaut-Moment des Abends. Das Werk lebt von Kontrasten, vom Wechsel des pianissimo zum forte, von fragilen Solostimmen in Verbindung mit erhebenden Harmonien.

Explosionsartig lässt das Trio aus schillernden Klangflächen Solostimmen hervorschießen. Die Musiker spielen angemessen spannungsgeladen, druckvoll und äußerst expressiv. Ganz zum Schluss kommt dann einer der stärksten Augenblicke des Abends: An der Grenze des Hörbaren lassen die Musiker sekundenlang mit den Bögen Töne auf den Saiten zittern – Musik bei der die Zeit stehen bleibt.

Karriere bei der Marine

Die Entdeckung des Abends war der französische Komponist Jean Cras (1879-1932), der zugleich auch Karriere bei der Marine machte. Sein Streichtrio aus dem Jahr 1926 ist frühe Weltmusik jenseits der nationalen Komponisten-Schulen. Bei diesem Werk wird spürbar, dass der Komponist die Welt mit dem Schiff befahren hat.

Die Musik ist eine Einladung zur Reise: Sie beginnt mit sehnsuchtsvollen Melodien, lässt plötzlich arabisch anmutende Tonleitern erkennen und wechselt dann zu französisch anmutenden, tänzerisch-folkloristischen Motiven. Cras hat als Komponist keine akademische Ausbildung. Dafür überzeugt er mit unkonventionellen Ideen. Das Publikum bedanke sich beim Trio d’Iroise für das inspirierende Konzert mit viel Applaus und erhielt als Zugabe das bekannte Thema der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach – bezaubernd schön und emotional ergreifend.

Musikalische Perlen

Der Saisonstart der Aulakonzerte macht Vorfreude auf das kommende Beethoven-Jubiläumsjahr. Die Kammermusikgesellschaft wird dazu einige Perlen präsentieren: Beispielsweise lässt Pianist Andreas Staier am Hammerklavier den authentischen Klang der Beethovenzeit hörbar werden, ECHO-Preisträger Felix Klieser gibt mit Beethovens Horn-Sonate sein Debüt in dieser Konzertreihe und das Klenke-Quartett spielt unter anderem Beethovens berühmtes „Harfenquartett“.

Das kommende Programm

Die kommenden Konzerte: 20. Oktober 2019 Arcadia Quartett sowie Stefan Fehland und Stephan Forck, 17. November 2020 Felix Klieser, Andrej Bielow und Martina Filjak, 2. Februar 2020 Klenke Quartett, 23. Februar 2020 Andreas Staier, 22. März 2020 Atos Trio sowie 19. April 2020 Ma’alot-Quintett mit Markus Becker. Jeweils sonntags um 19.45 in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1 in Göttingen. aulakonzerte-goettingen.de

Von Udo Hinz

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