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Regional Beeindruckendes Konzert in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Beeindruckendes Konzert in Göttingen
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11:50 15.04.2019
Begeisterten Applaus spendete das Publikums in der vollbesetzten Kirche St. Nikolai nach dem Konzert. Quelle: Meinhard
Göttingen

„Selbst der Gerechte wird zittern, wenn er vor dem Thron des Schöpfers steht.“ Wuchtig, angsteinflößend, nachdenklich stimmend ist der Text des Requiems, die Tonart d-Moll verunsichert auch das fröhlichste Gemüt. Die Musik unterstreicht die in Latein verfassten Aussagen über das Jüngste Gericht mit großem Klanggestus. Wenn etwas zutiefst Trauriges, wenn ein Requiem, das an den Tod erinnert, an Sünde, Vergänglichkeit und an das Strafgericht Gottes dennoch etwas Erhebendes hat – dann muss Mozart im Spiel sein.

Der Petri-Chor Weende hat gemeinsam mit dem Göttinger Barockorchester und vier Solisten am Sonntag ein Konzert in der Kirche St. Nikolai zu Gehör gebracht. Das Gotteshaus war mit mehr als 300 Gästen vollbesetzt. Es erklangen Werke von Arvo Pärt und Peteris Vasks sowie das erwähnte Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart (Köchelverzeichnis 626). Die Solisten waren Magdalena Hinz (Sopran), Paula Meisinger (Alt), Tobias Meyer (Tenor) und Johannes Schwarz (Bass). Die musikalische Leitung hatte Martin Kohlmann.

Spürbares Miteinander der Künstler

Es erklang eine Interpretation des Requiems, die rundum überzeugte. Chor und Orchester präsentierten sich diszipliniert und bildeten eine beruhigende Einheit. Beide Ensembles hatten sich während der Proben in den vergangenen drei Monaten ganz offensichtlich intensiv eingesungen, eingespielt, eingelebt in dieses anspruchsvolle Werk. Kohlmann brauchte nur noch antippen, um erklingen zu lassen, was heraus wollte. Dieses Miteinander war spürbar wie eine Schwarmbewegung, erfüllte den Raum, machte ihn akustisch rund. Auffallend war eine wohltuende Ausgeglichenheit, eine Gleichberechtigung der Stimmlagen.

Das gesamte Konzert war ein Genuss. Noch einmal einen Höhepunkt bildeten das Sanctus (Heilig ist der Herr) und das Benetictus (Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn). Die Gesangskunst des Chores und der Solisten ruhte auf dem soliden instrumentalen Fundament des Barockorchesters. Nach dem Schlusschor herrschte Stille in der Kirche. Kohlmann ging ohne Weiteres zum letzten Stück über, dem Pater Noster (Vater unser) von Peteris Vasks. Als auch hier der letzte Ton verklungen war, bleibt es wiederum still. Sekundenlang. Erst dann, allmählich, kam der Applaus auf, sich verstärkend, dazwischen Bravorufe.

„Heute waren wir richtig gut“

Eine Chorsängerin sagte nach dem Konzert froh: „Ja, wir waren heute richtig gut.“ Stimmt. Die größte Lust an diesem Abend dürfte wohl der Dirigent gehabt haben: erstens mit der Partitur vor Augen und zweitens beim Erleben, dass alles so wunderbar ineinander aufging und miteinander harmonierte.

Die Solisten: Magdalena Hinz ist Stipendiatin der Oscar- und Vera Ritter Stiftung Hamburg sowie der Stiftung „Yehudi Menuhin Live-Music Now Hannover“. Paula Meisinger studiert Master Oper an der Hochschule für Musik Hannover. Tobias Meyer ist Mitglied in mehreren Ensembles wie dem Kammerchor Stuttgart. Johannes Schwarz setzt derzeit sein Gesangsstudium in Hannover fort.

Der studierte Kirchenmusiker Martin Kohlmann wiederum leitet neben dem Petri-Chor Weende auch die Stadtkantorei Gehrden bei Hannover und lehrt unter anderem an der Uni Göttingen.

Übrigens: Als Mozart 1791 die Seelenmesse schrieb, war er bereits todkrank. Er konnte sie selbst nicht mehr vollenden. Offenbar stellte der Komponist Franz Xaver Süßmayr die Partitur fertig. Das Requiem war ein Auftragswerk des Grafen Franz von Walsegg.

Von Ulrich Meinhard

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