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Regional Umziehen neben dem Piroggen-Ofen
Nachrichten Kultur Regional Umziehen neben dem Piroggen-Ofen
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23:14 20.07.2011
Von Peter Krüger-Lenz
Am Flughafen: Stefan Dehler (l.) und Christoph Huber mit dem finnischen „Maulwurf“-Buch.
Am Flughafen: Stefan Dehler (l.) und Christoph Huber mit dem finnischen „Maulwurf“-Buch. Quelle: EF
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Sie spielten dort in fünf verschiedenen Städten sechs Vorstellungen ihrer Produktion „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte“, drei Vorstellungen ihrer eigenen Fassung des „Faust“ und bildeten zudem noch finnische Deutschlehrer fort. Zwischen 700 und 800 Menschen hätten ihre Auftritte insgesamt besucht, erläutert Huber – in Städten, die Namen tragen wie Oulu, Kuopio oder Jyväskylä.

Organisiert hat Alexandra Virtanen diese Tour. Sie hatte Huber und Dehler im Jahr 2009 bei einer Lehrerfortbildung im Göttinger Goethe-Institut kennengelernt. Virtanen war so begeistert, dass sie die beiden nach Finnland holen wollte. Dass Turku in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas war, habe die Finanzierung einfacher gemacht, erklärt Dehler. Eingebunden waren auch die deutsch-finnische Gesellschaft und finnische Partnerschulen des Goethe-Instituts.

Eine Mail von Virtanen kurz vor dem Start der Tour dienten nicht eben der Beruhigung: „Ihr kennt ja keinen von denen. Das wird ein Abenteuer.“ Sie hatte die Kontaktleute gemeint, die Huber in den Orten betreuen sollten.

Vom Bus, vom Bahnhof oder vom Flughafen sollten sie abgeholt werden, in jeder Stadt von einem anderen Freiwilligen. Die hatten auch das Geld für das Hotel und die Tickets für die Fahrt zum nächsten Spielort in der Tasche. „Es hat immer geklappt“, erklärt Dehler, der den Menschenschlag, der in dem nordeuropäischen Land lebt, als „extrem freundlich, aber sehr diskret und zurückhaltend“, beschreibt. „Emotionen werden mimisch und gestisch nicht ausgedrückt.“

In Koffern hatten sie ihre Requisiten mitgenommen: Muffins, eine spezielle Pralinensorte und Sahne, „sehr flüssiger Taubendreck“, erklärt Huber den Hintergrund. Den Kuchen, den sie für den „Maulwurf“ brauchen, hätten sie jeden Abend im Hotelzimmer gebacken. „Wir wussten ja nicht, was wir in Finnland in den Geschäften kaufen können“, sagt Huber.
Natürlich sei nicht alles glatt gegangen, berichtet er. Eine Versammlung der finnischen Grünen haben zeitgleich in einem Saal stattgefunden, in dem die „Stillen Hunde“ spielen sollten. Die Premiere des „Faust“ habe auf dem Programm gestanden. Doch statt sich gründlich auf die Vorstellung vorbereiten zu können, hätten sie Tische aus einem anderen Raum in die Küche getragen und sich dort auch umgezogen. Gerade als dort für die politische Gegenveranstaltung Piroggen im Ofen aufgewärmt werden sollten.
Vier Tage später sollte der Auftritt in einem neu gebauten Schulhörsaal, vollgestopft mit Hightech, über die Bühne gehen. Das technische Gerät habe allerdings nicht abgebaut werden können, so Dehler. Also bezogen sie Mikrophone und Computer mit ein in ihre Show.

Im nächsten Ort sollte im Anschluss an den Auftritt eine Ausstellung des Goethe-Instituts eröffnet werden. Weil die Schüler nicht früher in die Vorstellung kommen konnten, sei ein Zeitfenster von einer Stunde für die einstündige Vorstellung geblieben. „Wir haben Gummi gegeben“, sagt Dehler „und weniger als 60 Minuten gebraucht“. Angefangen habe die Vernissage dann mit deutlicher Verspätung. Und ihre „Faust“-Version hätten einige Zuschauer „ganz schön heftig“ gefunden – „wegen einer Zigarette, einem Unterhemd und Alkohol auf der Bühne“, meint Dehler.

In Kuopio gingen Dehler und Huber dann „in eine Art Kaufhausbuchhandlung“, erzählt Dehler. Dort fanden sie direkt am Eingang die finnische Übersetzung des „Maulwurf“-Buches. Deswegen weiß Dehler jetzt auch, was das finnische Wort „Pikkumyyrä“ heißt: Maulwurf.