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Regional "Die Englische Manier": Ausstellung in der Uni-Kunstsammlung Göttingen
Nachrichten Kultur Regional "Die Englische Manier": Ausstellung in der Uni-Kunstsammlung Göttingen
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00:28 26.04.2014
Von Peter Krüger-Lenz
Unvollendet: der Mondglobus von dem Astronomen Tobias Mayer, der in Mezzotinto gefertigt wurde. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Dabei handelt es sich um ein Tiefdruckverfahren, das auch bekannt ist unter den Bezeichnungen Schabkunst oder Mezzo­tinto. „Ihr Reiz liegt in der samtigen Abtönung der Flächen von tiefem Schwarz bis zu hellem Weiß“, schreibt Dr. Anne-Katrin Sors, Leiterin der Uni-Kunstsammlung und des Projektes im Katalog.

Wo vorher dunkle Flächen durch Kreuzschraffur simuliert wurden, war es nun möglich, durch Aufrauen und anschließendes dosiertes Glätten ganzer Bereiche tongestufte Flächen zu drucken. Das neue Medium etablierte sich vor allem als Mittel zur Reproduktion von Gemälden.

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Erfunden wurde die Technik 1642, ein seltener Fall in der Geschichte, dass eine solche Erfindung tatsächlich datiert werden kann. Denn Ludwig von Siegen übersandte in diesem Jahr seinem Landesherrn Landgraf Wilhelm VI. von Hessen-Kassel ein Bildnis von dessen Mutter Amalia Elisabeth Landgräfin von Hessen-Kassel, gefertigt in der neuen Technik, nebst einem Brief, in dem er seine Erfindung pries. Beides ist heute noch erhalten.

Technik der Englischen Manier perfektioniert

In Deutschland entwickelten sich Mezzotinto-Zentren um 1700 in Nürnberg und Augsburg. Für Göttingen von besonderer Bedeutung: Ab 1741 erschien eine in etwa jährliche Reihe von zehn Bänden, in denen der Augsburger Theologe Jacob Brucker und der Kupferstecher Johann Jacob Haid Gelehrten-Porträts veröffentlichten.

Sie fragten auch bei der jungen Göttinger Universität an. Porträts von acht Professoren finden sich in den Büchern. Ihre Blüte erlebte die Technik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England. In dieser Zeit der Personalunion regierten hannoversche Könige in London. Neben der Porträtkunst wurde die Gemäldereproduktion mit der Technik der Englischen Manier perfektioniert.

Mezzotinto-Beispiele zeigt die Ausstellung auch aus den Niederlanden, aus Frankreich und Italien. In den letztgenannten Ländern konnte sich die Technik allerdings nicht in besonderem Maße verbreiten. Erstmals thematisiert die Ausstellung auch eine weitere Nutzung der Englischen Manier: Sie wurde für naturwissenschaftliche Illustrationen eingesetzt.

Zwei herausragende Arbeiten finden sich in Sammlung und Ausstellung: die Druckplatten für den unvollendeten Mondglobus von Tobias Mayer um 1750 und die Illustration des „Schwäbischen Medusenhauptes“, das der Naturforscher Johann Friedrich Blumenbach in seinem Unterricht zeigte.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 24. April, um 18 Uhr in der Kunstsammlung der Universität, Weender Landstraße 2, eröffnet.

Sie ist bis  1. März 2015 sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.