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Regional Daniel Mühe, das sympathische „Spielekind“
Nachrichten Kultur Regional Daniel Mühe, das sympathische „Spielekind“
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09:24 28.12.2018
„Spielen“ als Aufforderung verstanden: Daniel Mühe dekoriert sich selbst. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Er gehört zu den jüngsten Neuzugängen des Deutschen Theaters: Seit der Spielzeit 2018/19 bereichert Daniel Mühe des Ensemble des Hauses.

Was die Größe der Stadt angeht, war der Gang nach Göttingen ein deutlicher Rückschritt für den sympathischen 25-Jährigen: Fast fünf Jahre lang wirkte er in Berlin, zuvor in seiner Heimatstadt Hannover. „Ich mag das Kleine, Familiäre, was Göttingen hat“, sagt Mühe über seinen neuen Arbeitsmittelpunkt. Dass er die Stadt schon nach kurzer Zeit verinnerlicht hat, zeigt auch dies: „Ich habe mir hier ein Fahrrad gekauft, das hatte ich vorher nicht“, denkt er vor allem an seine Berliner Zeit zurück. Dort sei er oft 40 Minuten mit der S-Bahn unterwegs gewesen, um von A nach B zu kommen. Dass das in Göttingen mit dem Rad sehr viel schneller geht, schätzt Mühe – ebenso wie den Alten Botanischen Garten sowie das Studenten- und Kneipenleben der Universitätsstadt.

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Erfahrung auch hinter den Kulissen

Zwischen 2013 und 2017 hat Mühe an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ studiert, zuvor in Hannover erste theaterpraktische Erfahrungen gesammelt. Am Schauspiel Hannover hat er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Theaterpädagogik absolviert und dabei auch Regie-Erfahrungen mit Jugendlichen gesammelt. „Die waren damals allerdings kaum jünger als ich, das war schon etwas ungewöhnlich“, erinnert sich Mühe. Weitergebracht habe ihn das FSJ aber „definitiv“ – allein schon deshalb, weil er in nahezu alle Bereiche eines Theaterbetriebes hineinschnuppern konnte: von der Requisite bis zur Maske, von den Kostümen bis zur Technik. „Das waren Einblicke, die mir heute hier am DT dabei helfen, die Arbeit der Kollegen anders zu betrachten, die ja schließlich dafür sorgen, dass das, was ich leiste, bestmöglich auf die Bühne kommt“. Da schwingt eine gewisse Dankbarkeit mit, vielleicht sogar Ehrfurcht, mindestens aber ein stark ausgeprägter Gemeinschaftssinn für das „große Ganze“ im Theater.

Überhaupt scheint Mühe viel aus seinen „Lehrjahren“ aufgesaugt zu haben – Aikido, Fechten oder Reiten zum Beispiel. Auch Bogenschießen gehörte als Übung zu seiner Ausbildung; immer freitags, immer morgens um 9 Uhr. „Da bekommst Du den Kopf frei am Anfang des Tages, das ist gut für die Konzentration“, hat der Schauspieler damals mitgenommen. Bewahrt hat er sich auch die Musik: Klavier, Gitarre – und sogar ein bisschen Deutsch-Rap hat er sich draufgeschafft. „Das sind ja eigentlich kleine Gedichte“, vergleicht Mühe.

Früh den Spaß am Spielen entdeckt

Apropos Vergleiche: Dass er aufgrund seines Nachnamens immer mal wieder auf Ulrich und Anna Maria Mühe angesprochen wird, stört ihn nicht wirklich. Verwandt ist er mit den beiden übrigens nicht, wie eine Ahnenforschung ergeben hat. Und wenn es auch keine familiäre „Vorbelastung“ gab, so schien der Weg in die Schauspielerei für Mühe doch vorgezeichnet: „Ich war schon in der Schule immer der, der die Klappe nicht halten konnte“, erzählt er mit einem dezent angedeuteten Lächeln auf den Lippen. Also habe er die „klassische Schultheater-Laufbahn“ eingeschlagen und früh den Spaß am Spielen und auch an der Clownerie entdeckt. Einen „Plan B“ habe er eigentlich nicht gehabt, wohl aber die Rückendeckung seiner Eltern. Und Spaß am Spielen hat er heute eindeutig immer noch: „Ein Schauspieler sollte immer das Kindlich-Verspielte ausleben und das aktive innere Kind bewahren können“, findet Mühe – und gibt spontan einen Clown, der das erste Mal in seinem Leben eine Kaffeetasse sieht. Das Schöne an seinem Beruf sei, dass man jeden Tag jemand anders sein könne. Außerdem fördere Theater Kommunikation. Das gefällt ihm.

Auch Kurzfilm- und Hörspiel-Erfahrung hat Mühe bereits gesammelt; 2017 gab es sogar den Deutschen Hörspielpreis der ARD für das Stück „Broken German“, in dem er einen Skinhead darstellte. Alles wertvolle Erfahrungen, aber Theater ist ihm irgendwie doch näher.

„Jetzt gerade bin ich sehr glücklich hier“, antwortet Mühe auf die Frage, ob er schon neue Ziele ins Visier genommen hat. Aber er sagt auch: „Natürlich will man irgendwann weiter.“ Wohin die Reise eines Tages gehen wird, scheint ihm im Moment aber noch gar nicht so wichtig zu sein. Hamlet würde er gern mal spielen, „so lange ich das noch kann“. Zuzutrauen ist es ihm allemal. Bis es soweit ist, dürften die Theaterbesucher des DT noch viel Freude an Mühe haben.

DT-Schauspieler Daniel Mühe setzt sich für das Tageblatt in Szene(n).

Steckbrief

Name: Daniel Mühe

Geboren: 1993 in Hannover

Ausbildung: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin

Stationen (u.a.): Schauspiel Hannover, Schaubühne Berlin

Status: vergeben

Von Markus Riese