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Regional Statt Bundeswehr zur Schauspielschule
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13:56 21.11.2017
“Salat oder Haxe?“ Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

Der Weg zum Schauspiel war für Brehl ein wenig holperig. Bei einigen Aufnahmeprüfungen bei den sehr begehrten staatlichen Schauspielschulen habe sie es manchmal bis ins Finale geschafft, sei aber letztlich nie aufgenommen worden. Dabei hatte sie doch in der zwölften Klasse Darstellendes Spiel als Schulfach belegt, im Bundestag und bei den Hessischen Schultheatertagen gespielt und war von ihren Lehrern bestärkt worden. Ihre Einstellung damals: „staatlich oder gar nicht“.

Katharina Brehl hat ein Engagement am Jungen Theater Göttingen

Nach den Absagen habe sie in Frankfurt angefangen, Kunstgeschichte und katholische Theologie zu studieren, sagt Brehl – und sprach doch weiter an Schauspielschulen und der Joop van den Ende Academy in Hamburg vor, damals eine private Musical-Schule. Auch dort habe sie sich nicht zu Hause gefühlt. Schließlich habe sie sogar eine Musikmanagement bei der Bundeswehr erwogen – und sei schon bei der Musterung in Fritzlar gewesen.

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Für den gleichen Tag war ein Vorsprechen an der Schauspielschule Kassel angekündigt, ihre Mutter habe davon erfahren und sie hingeschickt. „Dort bin ich gleich genommen worden“, erinnert sich Brehl. Der Nachteil: Sie musste ihre Ausbildung selbst finanzieren. Also kellnerte sie im Theaterstübchen in Kassel, und „manchmal habe ich dort auch auf der Bühne gestanden“. Während an staatlichen Schauspielschulen die Ausbildung meist straff und zeitintensiv organisiert ist, setzte die Schule in Kassel eher auf Selbstständigkeit. Bei ihrem Engagement am Jungen Theater merke sie, dass sie Stimmtechnik nachholen müsse. Ein Defizit an Rollenarbeit habe sie schon durch selbstgesuchte Engagements während der Ausbildung versucht abzumildern.

Im Vatikan spielte Brehl schon, weil sie bei einem Kolping-Musical in Fulda mitgewirkt hatte. Den Papst habe sie nicht getroffen, dafür aber einen Polizisten, der ihr das Schlafgemach und den Balkon des Kirchenoberhauptes gezeigt. Im französischen Perigueux trat sie auf wegen einer Kooperation ihrer Schauspielschule – „ohne Französisch zu können“, sagt Brehl. Sie habe den Text über Lautschrift und Hören gelernt. Und im Mannheimer Dschungelbuch, geschrieben von Xavier Naidoo, spielte sie einen Affen, einen Geier und die Schlange Kah. Im Norden, Süden und Westen Deutschlands ist Brehl aktiv gewesen. Wo also gefällt es ihr am besten? Brehl lacht und sagt: In Fulda, da komme ich her.“

Direkt nach Abschluss an ihre Ausbildung übernahm die junge Schauspielerin eine Hauptrolle in einem Horrorfilm, gedreht in Kassel. „Balsam für die Seele“ nennt Brehl diesen Ausflug. „Film ist spannend“, sagt sie, aber die Arbeit reize sie noch nicht so. Welche Rolle sie unbedingt noch spielen möchte, ist ihr schnell klar: „Salome“ von Oscar Wilde und die Medea – „wenn ich eine gestandene Frau bin“. Diese Rolle habe sie schon während ihre Schulzeit übernommen. Von einer weiteren legendären Theaterfigur habe man ihr an der Schulspielschule abgeraten, von Gretchen aus Goethes „Faust“. Die Einschätzung der Dozenten habe gelautet: „Du bist nicht so der Gretchen-Typ.“ Am JT spielt sie nun das Gretchen – „Es ist viel in einem drin, wenn man erstmal sucht.“ Vor einer Premiere sei sie dann aber sehr aufgeregt, bekennt Brehl. Es sei ihr schon passiert, dass sie beim Schminke für ihre Rolle als „Barbara“ komplett schiefe Liederstriche gezogen habe, „so haben meine Hände gezittert“.

Am JT fühlt sie sich wohl. „Es war für mich einfach, ans Haus zu kommen.“ Besonders das Familiäre schätze sie. Geschäftsführer Tobias Sosinka und Intendant Nico Dietrich schätzt sie sehr. „Sie sind hinterher, dass man immer noch besser wird.“

Steckbrief:

Name: Katharina Brehl

Geboren: 10. August 1991

Ausbildung: Schauspielschule Kassel

Status: die Quirlige

BU 1: „Drama oder Komödie?“

BU 2: „Salat oder Haxe?“

BU 3: „Fitness?“

BU 4: Lieber Affe, Geier oder Schlange Kah?“

BU 5: Vor der Premiere?“

Von Peter Krüger-Lenz

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