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Regional Uraufführung: Senioren sind „Herbstzeithelden“
Nachrichten Kultur Regional Uraufführung: Senioren sind „Herbstzeithelden“
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16:32 18.11.2012
Von Peter Krüger-Lenz
Die Herbstzeithelden: Luise Farr, Dorothea Löser, Rüdiger von Massow, Rudolf Fascher (v. l.).
Die Herbstzeithelden: Luise Farr, Dorothea Löser, Rüdiger von Massow, Rudolf Fascher (v. l.). Quelle: Winarsch
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Göttingen

Gemeinsam mit der Regisseurin Michaela Dicu und der Dramaturgin Anna Gerhards haben sie das Stück „Herbstzeithelden“ entwickelt. Uraufführung war am Sonnabend auf der Studiobühne des Deutschen Theater (DT) Göttingen.

Es gab da diesen Arbeitstitel: „Mit 70 hat man noch Träume“. Ein schöner Ansatz, mit dem das Produktionsteam im Göttinger GDA-Wohnstift aufkreuzte und die vier Senioren fand, die offenbar vor allem eines waren: neugierig. Sie ließen sich ein, probten einmal pro Woche und stellten sich am Ende auf die Bühne. Mit ihren Träumen? Eher mit ihrer Vergangenheit. Denn davon erzählen sie viel an diesem 45-minütigen Abend, für den Valentine Koppenhöfer als Bühnenbild Künstlergarderoben entworfen hat.

Um die erste Liebe geht es, die bei allen scheiterte, schon vor dem ersten Kuss oder nach einem Jahr. Der Postbeamte Fascher wäre gerne Allroundhandwerker geworden und ist jetzt Fachmann für Baum- und Strauchschnitt. Mit dem Soldaten Massow meinte es das Schicksal gut. Einem Schwerverwundeten ließ er den Vortritt beim Krankentransport, das Fahrzeug wurde angegriffen und zerstört. Später überlebte er auch eine Krebserkrankung. Seine Träume? „Ich bin 90 Jahre alt. Ich habe keine Wünsche oder Erwartungen für die Zukunft“, sagt Massow.

Mit 94 Jahren die Älteste – und Unternehmungslustigste

Aber er kann sich wunderbare Geschichten ausdenken. Farr würde gerne wieder in den USA bei ihrer Familie leben und grantelt mit den Kollegen. Die vierte im Bunde, Löser, ist mit 94 Jahren die Älteste – und Unternehmungslustigste. Statt sich als Hofdame ausstaffieren zu lassen, trägt sie lieber Hosen und gepuderte Perücke. Und dann stiefelt sie los zu ihrem Fallschirmsprung. Und man wünscht ihr, dass das klappen möge. So wie in dem Bestseller „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Auch so hätte man das Stück anlegen können: ein bisschen schräg, voller vergnüglicher Utopien und herrlich anarchisch. Oder zumindest dichter an der Lebenswelt der fitten Senioren in dem Haus, in dem sie überwiegend Senioren treffen. Doch es ist eher ein theatral eingerichtetes Erzähl-Café geworden. Und dafür gab es viel Applaus.

Weitere Vorstellungen: 20. November um 20 Uhr , 5. Dezember um 18 Uhr und am 15. Dezember um 16 Uhr im Studio des Deutschen Theaters Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.