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Regional Uraufführung feiert großen Erfolg im Jungen Theater
Nachrichten Kultur Regional Uraufführung feiert großen Erfolg im Jungen Theater
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00:19 16.04.2019
Auf der Bühne sind Katharina Brehl, Agnes Giese und Jacqueline Sophie Mendel ganz in ihrem Element. Quelle: Dorothea Heise
Göttingen

„Aloha Therese!“ hat am Jungen Theater (JT) Premiere gefeiert. Im neuen Stück von Peter Schanz wird das Leben des berühmten Naturforschers Georg Forster aus der Sicht seiner Frau Therese Heyne erzählt.

Der im Jahr 1754 in Pommern geborene Georg Forster wurde nur 40 Jahre alt. Allerdings hat er mehr von der Welt gesehen, als die meisten anderen Menschen seiner Zeit sich überhaupt vorstellen konnten. Der Dramaturg Peter Schanz hat die Beziehung zwischen Forster und seiner Frau Therese als Rahmen für ein Stück gewählt, das auch gleich mit einem regionalen Bezug zur Stätte seiner Uraufführung aufwartet: In Göttingen hat der Gelehrte Forster im Jahr 1785 die Professorentochter Therese Heyne geheiratet. Sie gehörte zu den legendären Göttinger Universitätsmamsellen, die sich akademisch bildeten in einer Zeit, als Frauen an den Universitäten noch nicht erwünscht waren. Therese verließ Forster zwei Jahre vor seinem Tod, um mit ihrem Liebhaber Ferdinand Huber in die Schweiz zu ziehen.

Zickenkrieg der Universitätsmamsellen

Schanz lässt allerdings schon in der ersten Szene keinen Zweifel aufkommen, dass er aus dem Hier und Jetzt heraus einen Rückblick wagt in eine Zeit, in der viele aktuelle Problematiken begründet wurden. Sprachlich in der Gegenwart angesiedelt, liefern sich die Mamsellen einen Zickenkrieg wie in einer Seifenoper.

Auf der Bühne herrscht von Zeit zu Zeit Zickenkrieg. Quelle: Heise

Doch Schanz bleibt keineswegs im Banalen, sondern spielt mit den Klischees. Dabei gelingt es dem Autor, der auch Regie führte, immer wieder tiefgründige Weisheiten in die Dialoge zu streuen und Furchtbares, Witziges und Berührendes in einer Szene zu vereinen. Auf der Bühne sind Katharina Brehl, Agnes Giese und Jacqueline Sophie Mendel ganz in ihrem Element, indem sie sich alle Rollen – auch die männlichen – mit Kreativität, Tempo und großer Überzeugungskraft teilen. Ariane Mihm hält sich im Hintergrund, sitzt auch mal im Zuschauerraum und untermalt das Geschehen mit Gesang, Trompete oder Hufgeklapper.

Rassistisch oder politisch korrekt?

Doch selbst zur Rollenbesetzung stellt Brehl unbequeme Fragen: Ist es Rassismus, wenn eine dunkelhäutige Schauspielerin die Südsee-Schönheit spielt? Ist es nicht ebenfalls Rassismus, wenn diese Rolle „politisch korrekt“ an eine hellhäutige Schauspielerin vergeben wird? Giese fokussiert dieses Thema auf die Rassentheorien Immanuel Kants, und Mendel kontert in der Rolle als Forster: „Es gibt nur die Einheit des Menschengeschlechts.“ Schanz lässt einige Zitate aus Forsters Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert textlich mit einfließen: „Der Schaden, den wir Europäer diesem Theile des menschlichen Geschlechts zugefügt haben, kann nimmermehr und auf keine Weise weder entschuldigt noch wieder gut gemacht werden“, schrieb der Reisende.

Auch die männlichen Rollen werden von den Schauspielerinnen übernommen. Quelle: Heise

In „Aloha Therese!“ werden Sehnsüchte nach Flucht aus gesellschaftlichen Zwängen hinterfragt. Die Ehe bedeutete für die Frauen zwar Loslösung aus der Enge des Elternhauses, erfüllte aber ebenso wenig die Hoffnung auf größere Freiheiten, wie das „Paradies“ in der Südsee, das die Männer unter anderem mit sexuellen Freiheiten verbanden. Bei ihrem Eindringen in fremde Kulturen zerstörten sie diese und dezimierten die Bevölkerung, und zwar auch durch eingeschleppte Krankheiten. Ist „Lost Paradise“ also die einzige Konsequenz von Freiheitsträumen?

Verlorene Unschuld fordert Verantwortung

„Es gibt kein Zurück in die Unschuld, aber es gibt eine Verantwortung für das Hier und Jetzt“, lassen die Mamsellen das Stück mit einem Appell „für Freiheit und für Gleichheit – und für Schwesterlichkeit“ ausklingen. Der Applaus war laut, stürmisch und lang anhaltend. Eine äußerst gelungene Uraufführung.

Diese Premiere sei allerdings die letzte gewesen für etwa die nächsten drei Jahre, sagte Nico Dietrich, Intendant des JT, und verwies auf den vorübergehenden Umzug des Ensembles in die ehemalige Voigt-Realschule am Wall. Wegen der dringenden Sanierung des Otfried-Müller-Hauses wird am 20. September die neue Theatersaison in der Interimsunterkunft starten.

Mit „Aloha Therese!“ wurde bereits das dritte Auftragsstück des JT in der Zusammenarbeit mit Schanz präsentiert. Eine weitere Aufführung folgt am Montag, 15. April, um 20 Uhr im JT.

Von Claudia Nachtwey

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