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Regional Das wilde Leben der Therese Heyne
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17:56 02.04.2019
Ein Probeneindruck: Agnes Giese, Katharina Brehl und Jacqueline Sophie Mendel in „Aloha, Thereses“. Quelle: Peter Krüger-Lenz
Göttingen

„Stoffe mit regionaler Anbindung und globaler Relevanz“ sind ein Spezialgebiet in der Arbeit von Regisseur Peter Schanz. Der Gast am Haus an der Hospitalstraße entwickelt gerne mit den Häusern, an denen er engagiert ist, solche Themen. Nach Lichtenberg und den 68ern nun also „Aloha Therese!“. Im Zentrum der Geschichte steht die Göttinger Professorentochter und sogenannte Universitätsmamsell Therese Heyne.

Töchter von Professoren

Ende des 18. Jahrhunderts lebten in Göttingen einige junge Frauen, die das tradierte Frauenbild infrage stellten. Die Töchter von Professoren zeigten sich selbstbewusst und wollten in die akademische Landschaft einsteigen. Die bekannteste von ihnen war Dorothea Schlözer (1770 bis 1825), Tochter von August Ludwig von Schlözer, die vielleicht erfolgreichste Thereses Huber (1764-1829). Sie steht im Zentrum der Geschichte, die Schanz mit seinem Ensemble Katharina Brehl, Agnes Giese und Jacqueline Sophie Mendel erzählt.

Acht Jahre lang war Therese mit dem Südseereisenden Johann Georg Foster verheiratet, der bereits als 17-Jähriger mit James Cook zu dessen zweiter Weltumseglung aufgebrochen war. Dessen Leben steht im Zentrum des Abends – geschildert aus Sicht seiner Ehefrau.

Schillernde Figuren

Beide Eheleute waren schillernde Figuren, die „dramatisch in einer abenteuerlich geführten Ehe voller schlagender Funken und fliegenden Fetzen scheiterten“, teilt das JT mit. Therese führte eines Tages den Schriftsteller Ludwig Ferdinand Huber in ihre Ehe und ihr Leben ein. Forster akzeptierte die Ménage à trois, wenn sie nur bei ihm bliebe. Zusammen lebten sie schließlich in Mainz, einem revolutionären Zentrum zu dieser Zeit. „Sie litten aneinander, miteinander“, erklärt Schanz. Forster selbst wird ein Hang zu jungen Männern nachgesagt.

Beim Pressegespräch präsentierten die drei Schauspielerinnen die erste von sieben Szenen, die bislang, eine gute Woche vor der Premiere bislang geplant sind. „Die drei Frauen des Ensembles wuppen das Stück“, so Schanz. In dieser ersten Szene verkörpern sie die Universitätsmamsellen Therese, Caroline Schelling (1763-1809) und Meta Forkel-Liebeskind (1765–1853) – „danach können sie alles spielen, was ihnen vor die Flinte kommt“, meint Schanz. Denn sie schlüpfen anschließend auch in die Rollen der beteiligten Männer.

Goethe als möglicher Kindesvater

Temperamentvoll agieren die Giese, Brehl und Mendel. Sie zicken sich an, ziehen über sich andere her und geißeln die Affären der Kolleginnen. Auch Goethe spielt als möglicher Kindesvater hier eine Rolle.

In langen Kleidern stehen die Frauen auf der Bühne, es wird nicht ihr einziges Kostüm bleiben. Baströckchen und Kokosnuss-Schalen am Bande zum Verhüllen der Oberweite zieht Schanz schmunzelnd aus einer Kiste. „Es muss jedes Klischee bespielt werden“, sagt Schanze schmunzelnd. Dazu zählt wohl auch das Musizieren auf Muschelhörnen. Dafür haben die Organisatoren eigens die Musikern Ariane Mihm engagiert, eine gelernte Trompeterin. Sie wird die Muschelhörner spielen, weil laut Dramaturg Christian Vilmar die Lippentechnik der des Blechblasens vergleichbar sei. Allerdings wird sie auch auf Schläuchen musizieren.

Umzug nach der Spielzeit

Die Produktion wird auf jeden Fall eine historische, denn es wird die letzte Uraufführungspremiere in dieser Spielzeit und damit auch im Otfried-Müller-Haus, zumindest für eine längere Zeit. Nach der Saison zieht das Junge Theater für drei Jahre aufgrund von Sanierungsarbeiten in die neue Spielstätte in die ehemalige Voigtschule am Wall.

Tickets an der Theaterkasse

Die Produktion „Aloha Therese! hat am Freitag, 12. April, Uraufführung. Der Abend beginnt um 20.15 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Der Regisseur und Autor Peter Schanz hat diesen Stoff entwickelt, seine dritte Auftragsarbeit am Jungen Theater. Es spielen: Katharina Brehl, Agnes Giese und Jacqueline Sophie Mendel. Karten gibt es an der Kasse des Jungen Theaters unter der Telefonnummer 0551/495015. Weitere Vorstellungen sind geplant für den 15. April, den 9. und 31. Mai sowie den 20. Juni um 20 Uhr.

Von Peter Krüger-Lenz

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