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Regional Uwe Timm liest im Deutschen Theater Göttingen aus „Vogelweide“
Nachrichten Kultur Regional Uwe Timm liest im Deutschen Theater Göttingen aus „Vogelweide“
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00:17 24.10.2013
Uwe Timm Quelle: Heller
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Göttingen

Timm ist bereits zum vierten Mal Gast beim Göttinger Literaturherbst. Im Deutschen Theater liest er vor ausverkauftem Haus aus seinem Roman „Vogelweide“, der Mitte August im Verlag Kiepenheuer und Witsch erschienen ist. Darin geht es um Eschenbach, der nicht nur seine Firma in den Ruin getrieben hat, sondern auch Schiffbruch mit seiner Ehe erlitten hat.

Jetzt sitzt er auf einer einsamen Insel. Eschenbach heuert als Vogelwärter auf der Insel Scharhörn an. Mehrere Monate Einsamkeit, unterbrochen nur vom wöchentlichen Besuch eines Bauern, der Proviant bringt.

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Timm kennt die Insel. Er erzählt, wie er als Kind dort übernachtet habe, um gegen die bis heute nicht entschärften Bomben zu demonstrieren, die dort am Strand lagern. Das Gefühl, das er damals empfunden habe, sei ihm immer noch präsent. „Die Merkwürdigkeit, dass man umgeben ist von einer bewusstlosen Masse – das Meer“, beschreibt er den Zustand.

Erfolgreiches Leben gerät aus dem Ruder

Auf der Insel dränge sich kein „ich, ich, ich“ in den Vordergrund. Daher habe er Eschenbach diesen Ort gegönnt. Zur Selbstfindung. An der Geschichte interessiert Timm, wie ein erfolgreiches Leben aus dem Ruder gerät. Und das fast ohne Grund, gibt er zu bedenken, denn die Ausgangssituation von Eschenbach ist eigentlich keine schlechte.

Timm liest mit ruhiger Erzählerstimme. Er und seine sehr junge Gesprächspartnerin Becker harmonieren. Beide wirken  sympathisch. Als Becker mahnend auf die Uhr deutet und darauf hinweist, dass man weitermachen müsse, sagt sie entschuldigend: „Nicht, dass ich mich nicht mit ihnen unterhalten will.“ „Das können wir später noch machen“, antwortet Timm.

Von Daniela Lottmann

Uwe Timm: „Vogelweide“,  336 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, 19,99 Euro

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