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06:17 28.03.2012
Neuer Konzert-Salon: Gerrit Zitterbart an dem Ehrbar-Flügel von 1882.
Neuer Konzert-Salon: Gerrit Zitterbart an dem Ehrbar-Flügel von 1882. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Dabei ist das C im Wort Clavier nicht etwa nostalgische Buchstabenspielerei, sondern verweist auf die Besonderheit dieser Institution: Sieben historische Instrumente aus der Zeit zwischen 1795 und der Gegenwart sollen dort stehen. Eröffnet wird der Clavier-Salon mit einer Konzertwoche, die am Mittwoch, 28. März, beginnt. Seit einem dreiviertel Jahr bereitet Zitterbart dieses Projekt vor. Stolz ist er auf die vier historischen Instrumente, die er jetzt schon hat aufstellen können. Zwei Hammerflügel sind originalgetreue Nachbauten nach Instrumenten von Anton Walter (Wien 1795) und Louis Dulcken (München 1815).

Riesige Auswahl

Wesentlich jünger, aber immerhin auch schon 130 Jahre alt ist der Ehrbar-Flügel, der 1882 in Wien gebaut wurde. Ihn hat Zitterbart – wie auch seine anderen Fundstücke – im Internet ergattert. Fündig wurde er häufig bei den „Friends of square pianos“. Die Auswahl ist riesig: „Du kannst ja endlos kaufen, wenn du genug Geld hast.“ Untergebracht war der Ehrbar-Flügel bislang in einem Kuhstall in der Nähe von Bielefeld. Einen Pariser Erard-Flügel von 1888 hat Zitterbart von einem Zahnarzt in Tulle bei Bordeaux gekauft, der ihn von seiner Großmutter geschenkt bekommen hatte. Auf diesem Instrument hat, wie ihm der Zahnarzt berichtete, der Komponist Gabriel Fauré gespielt. Also wird er auch beim Konzert am Freitag, 30. März, das Begleitinstrument für die Sopranistin Heidrun Blase sein, wenn sie Lieder von Fauré singt.

Bald wird ein englisches Museumsstück die Sammlung bereichern, ein 1840 gebauter Flügel von Robert Wornum, der eine sogenannte oberschlägige Mechanik besitzt. Dabei schlagen die Hämmer die Klaviersaiten von oben an, was mechanisch effizienter ist. Der Nachteil: Die Hämmer müssen nach dem Anschlag mit einer Feder hochgezogen werden. Ein Ende der 1920er Jahre in Wien gebauter Flügel ist in Arbeit. Ein moderner Steinway-Flügel soll als Gegenwarts-Endpunkt der Reihe historischer Instrumente hinzukommen.

Lebendiges Museum

Der Saal ist für rund 60 Zuhörer geeignet, bietet also eine recht intime Atmosphäre. Und Zitterbart stellt sich nicht nur „normale“ Konzerte – Clavier-Abende, Kammermusik und Liederabende sowie Kinder- und Jugendkonzerte – in diesem Raum vor. Er kann zugleich als ein lebendiges Museum genutzt werden, für Gesprächskonzerte von Studierenden der Musikwissenschaft, möglicherweise auch für die Fortführung der „Musica viva“-Reihe des Musikwissenschaftlichen Seminars. Außerdem erhalten hier Studierende von der Musikhochschule Hannover und anderer Hochschulen eine Gelegenheit, aktuelle Programme zu präsentieren. Zitterbart: „Wir wollen uns auf die spannende Suche nach der Konzertform von morgen machen.“

Das Programm der Eröffnungswoche

Am Mittwoch, 28. März, eröffnet Gerrit Zitterbart, seinen neuen Clavier-Salon um 20 Uhr mit einem  Clavierabend. Auf dem Programm stehen Werke von Mozart, Beethoven, Brahms und Chopin auf vier Flügeln von 1795, 1815, 1882 und 1888 (auch am Donnerstag, 29. März, um 20 Uhr, und am Sonntag, 1. April, um 11 Uhr. Dazu am Donnerstag, 29. März, um 16 Uhr als Konzert für Schüler und Studenten zu ermäßigtem Preis). Am Freitag, 30. März, 20 Uhr gibt es einen Liederabend mit Heidrun Blase, Sopran, Gerrit Zitterbart, Clavier, und Rudolf Krieger, Rezitation. Werke von Haydn, Schubert, Schumann und Fauré (vier Flügel).
Für Sonnabend, 31. März, 20 Uhr ist ein Trioabend geplant: Abegg-Trio (Ulrich Beetz, Violine, Birgit Erichson, Violoncello, und Gerrit Zitterbart, Clavier) spielt Werke von Haydn und Beethoven (Flügel von 1795)
Am Sonntag, 1. April, 16 Uhr gibt es ein Kinderkonzert: „Musik, die Geschichten erzählt“, Gerrit Zitterbart erzählt und spielt Werke von Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Strauß, Schumann und Debussy.
Karten bei Nota bene, Burgstraße 33, Tonkost, Theaterstraße 22, im Alten Rathaus und unter www.reservix.de.

Von Michael Schäfer

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