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Regional Von Mondgymnastik, Plutonium und der Apokalypse
Nachrichten Kultur Regional Von Mondgymnastik, Plutonium und der Apokalypse
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19:15 12.11.2010
Begibt sich auf die skurrile Reise deutscher Mondverehrung: Reporter Dennis Mascarenas.
Begibt sich auf die skurrile Reise deutscher Mondverehrung: Reporter Dennis Mascarenas. Quelle: EF
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Der Film führt grob gesagt alle erdenklichen Verschwörungstheorien auf, die sich rund um das Thema Mond und dessen scheinbar mythischen Gehalt drehen. Und wenngleich der Titel auch Programm ist, lässt er nicht ansatzweise erahnen, welch absurdes, aberwitziges und vor allem nie vermutetes Geschehen dahinter steckt.
Auf die abenteuerliche Reise in die Abgründe deutscher Mondverehrung führt uns der Protagonist Dennis Mascarenas, Journalist des deutschsprachigen US-Senders DDC-TV. Seine Reportage, ein „program for Deutsche“, wie er mit tief-amerikanischen Akzent verkündet, beginnt bei einem Mann, der denkt, ihm gehöre der Mond.

Dass der dickliche und stumpf blickende Mascarenas wirkt, als könne ihn kein Wässerchen trügen, steht seiner journalistischen Arbeit nicht etwa im Weg. Im Gegenteil: Mit plumpen aber höchst wirkungsvollen Fragen, die tiefen Sarkasmus, bisweilen sogar Entsetzen in sich bergen, deckt er jedes Hirngespinst, jede noch so skurrile Theorie, die er im Laufe seiner Fahrt durch ein vermeintlich beklopptes Deutschland ausfindig macht, auf.

Geht es anfangs also noch recht harmlos um den rechtmäßigen Privatbesitzer des Mondes (Ist es Friedrich der Große oder doch der amerikanische Immobilienmakler Dennis Hope?), sieht sich der unermüdliche Mascarenas bald in esoterischen Gymnastikkursen, bei einem Mond-Versandhandel in Oberbayern, auf einem „heiligen Vollmondseminar“ mit Lagerfeuer und Trommelspiel und bei Menschen wieder, die die Herstellung von Geldscheinen als apokalyptisches Vernichtungsprogramm deuten. Die Reise führt den Reporter zu Vertretern von absurden Theorien, nach denen Satanisten, Juden und das scheinbar immer allgegenwärtige Plutonium untergründig die Welt beherrschen, zu ebenfalls durchaus ernst gemeinten Thesen über Atlantis-Nachkommen, Hitlers Zusammenarbeit mit Außerirdischen und dem unmittelbar bevorstehenden und von himmlischen Heerscharen initiierten Dritten Weltkrieg.

„I‘m gonna go home now“, sagt Mascarenas am Schluss seiner ebenso beeindruckenden wie gruseligen Fahrt. Auch wir gehen nach Hause. Und erfreuen uns der mehr als kuriosen Einblicke eines mehr als sehenswerten Dokumentarfilms.

Europäisches Filmfestival Göttingen

Bereits zum 31. Mal findet das Europäische Filmfestival in Göttingen statt. 2009 wurde es erstmals auf zwei Säle ausgeweitet und auch diesmal laufen vom 18. bis 28. November die Filme im Lumiere, Geismarlandstraße 19, und im Sterntheater, Sternstraße 7. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr das aktuelle Filmschaffen aus Skandinavien. Eigenwillig-skurrile Filme bieten die nördlichen Länder. Darunter die schwarze Komödie „Ein Mann von Welt“ aus Norwegen, „Patrik 1,5“ aus Schweden oder die anrührende Liebesgeschichte „Liebeskummer aus Dänemark.

In der Reihe „Europäische Premieren“ werden Previews von den neuen Filmen von Mike Leigh (Another Year) und Stephen Frears (Tamaras Drewe) zu sehen sein. Aus Frankreich ist „Das Labyrinth der Wörter“ mit Gérard Depardieu dabei, aus Russland „Fronttheater“. Sechs aktuelle Filme aus Italien laufen in der Rubrik „Cinema Italia“.

Von Swenja Lohrengel