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19:18 25.04.2011
Von Peter Krüger-Lenz
Starten mit viel Elan am Jungen Theater: Gintas Jocius und Felicity Grist.
Starten mit viel Elan am Jungen Theater: Gintas Jocius und Felicity Grist. Quelle: Hinzmann
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Mit Blick auf die Probleme um verschwundenes Geld, gefälschte Abrechnungen und eine weitere Insolvenz, meint Intendant Andreas Döring: „Das Schönste in diesem Jahr: Durch viele Vorsprechen bekommen wir tolle Schauspieler.“ Zwei von ihnen sind bereits da und proben für die Inszenierung „Frau Müller muss weg“: Felicity Grist und Gintas Jocius. Mit ihnen zieht ein Hauch von Internationalität ein im JT. Grist ist gebürtige Engländerin, Gintas stammt aus Litauen. Beide haben sich gegen mehr als 40 Konkurrenten durchgesetzt, die zum Vorsprechen nach Göttingen eingeladen worden waren, erklärt Döring.

Grist kam mit knapp sechs Jahren nach Deutschland. Sie wuchs zweisprachig auf: „Meine Mutter sprach Englisch mit mir, mein Vater antwortete auf Deutsch.“ Später studierte sie am Konservatorium Wien, spielte anschließend unter anderem am Burgtheater in der österreichischen Hauptstadt, einem der renommiertesten Häuser im deutschsprachigen Raum. Und dann der Wechsel an ein kleines Haus wie das JT? „Es ist ein interessantes Theater“, sagt die 26-Jährige. Der Spielplan sei modern, aber nicht nur mit Experimenten bestückt. Auch Klassiker stünden auf dem Programm. Und: „Wenn man kein Star ist, bekommt man an der Burg keine Hauptrollen“, erklärt Grist.

Auch Jocius studierte Schauspiel am Konservatorium Wien, allerdings erst nach einem Umweg. Im Alter von 18 Jahren war der heute 28-jährige Litauer zum Kontrabassstudium nach Salzburg gezogen. Doch bald schon regten sich Zweifel an der Berufswahl: „Die Optionen waren nicht so befriedigend für mich“, sagt Jocius und entschied sich für die Schauspielerei. Die Aufnahmeprüfungen, die er an verschiedenen Schulen absolviert habe, seien an den mangelnden Sprachkenntnissen gescheitert, erklärt er. Folglich nahm er Sprach- und Sprechunterricht. Heute redet er nahezu akzent- und vollkommen fehlerfrei. Seinem Engagement am JT sieht er mit viel Vorfreude entgegen. Die vielen Wechsel schätzt er als „große Chance, kreativ zu sein“. Er will nicht „das Publikum mit zerkautem Essen bedienen und sagen: Nun schluckt mal schön“. Wegen der vielen Studenten in der Stadt hofft Jocius auf „ein offenes Publikum und andere Chancen, Resonanz zu finden“. Seine Idee dazu: nicht nur vorgefertigte Stücke spielen, performativ arbeiten sowie das Theater öffnen und es verlassen. Seine Einschätzung: „Die Möglichkeiten sind da.“ Weniger allerdings auf dem Wohnungsmarkt. Beide Schauspieler sind noch auf der Suche nach einer Unterkunft.

Ihre ersten Rollen proben die beiden Neuen derzeit für die Komödie „Frau Müller muss weg“ von Lutz Hübner. Darin geht es um den Aufstand von Eltern in der Schulsprechstunde. Die Erziehungsberechtigten der Schüler in der 4a haben Lehrerin Frau Müller (Agnes Giese) um einen Termin gebeten. Die Klasse steht kurz vor dem Halbjahreszeugnis, das darüber entscheidet, wer aufs Gymnasium darf. Und weil die Probleme nicht bei den Kindern liegen können, so die vorherrschende Meinung, soll Frau Müller weg. Grist spielt eine Museumspädagogin, deren Mutterschaft sie eher neurotisch angeht. Jocius ist ein arbeitsloser Vater, der alles für seine Tochter macht. Dementsprechend engagiert geht er auch das Unternehmen Lehrerentfernung an. In weiteren Rollen: Anne Düe, Verena Saake und Jan Reinartz. Regie führt Intendant Döring, der auch für die Ausstattung verantwortlich zeichnet.

„Frau Müller muss weg“ hat am Donnerstag, 28. April, um 20 Uhr Premiere im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6, Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.