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Regional Vorgestellt: „Richard Wagner. Biographie“ im Deutschen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Vorgestellt: „Richard Wagner. Biographie“ im Deutschen Theater Göttingen
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20:07 15.10.2013
Auf Wagners Spuren: Gebhard,  Geck und  Werner (von links). Quelle: Heller
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Göttingen

Nicht aber die Wagner-Biographie des Musikwissenschaftlers Martin Geck, die der Autor am Sonntag bei einer Matinee des Göttinger Literaturherbstes im nur mäßig besuchten Deutschen Theater vorstellte. Daniel Werner gab in Lesungen ausgewählter Kapitel Einblicke in das Buch, der Musiker Hans Gebhard lieferte am Flügel kurze Zwischenspiele.

Es ist sehr eindrucksvoll, was Geck alles in seinem gut 400-seitigen Buch zusammen­getragen hat. Dabei betreibt der Autor weder Heldenverehrung noch Denkmal-Demontierung, sondern bemüht sich, dem in vielen Facetten schillernden Phänomen Wagner auf die Spur zu kommen.

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Vor allem: Wo Widersprüche auftauchen, und davon gibt es in Wagners Leben und Nachleben mehr als genug, legt Geck in erster Linie Wert darauf, die Brüche klar darzustellen.

Die hellen und dunklen Seiten Wagners existieren gleichzeitig, sein Antisemitismus war schlimm, im „Ring“ dagegen spricht er Wahrheiten aus, die bis heute gelten. Geck: „Dem Komponisten Wagner gelingt es, in seiner Musik psychische Regionen zu erschließen, von denen wir sonst nichts wüssten.“

Solche erhellenden Aussagen entlockte dem Autor im Podiumsgespräch der Musikwissenschaftler Jürgen Heidrich. Er sprach ihn auch auf Wagners Autobiografie „Mein Leben“ an. Sie sei, so Geck, „keine reine Quelle“, sondern „Informationsmaterial, mit dem der Biograf sinnvoll umgehen“ müsse. Denn Wagner habe „vieles unter den Tisch gekehrt“. Davon hat Geck wieder manches ans Tageslicht geholt. Spannend.

Von Michael Schäfer

Martin Geck: Wagner. 413 Seiten, Siedler Verlag, 24,99 Euro.