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Regional Vortrag von Claudia Ott über „Tausendundeine Nacht an der Seidenstraße“
Nachrichten Kultur Regional Vortrag von Claudia Ott über „Tausendundeine Nacht an der Seidenstraße“
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14:55 14.07.2019
Claudia Ott liest „Das glückliche Ende“ von Tausendundeine Nacht, begleitet von Daf-Spieler Hadi Alizadeh. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Die Ursprünge der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht liegen rund zweitausend Jahre zurück in der indischen Literatur. Es habe sich dabei um „Buddhalegenden aus der Zeitenwende“ gehandelt, in denen schon mehrere Motive der späteren Rahmengeschichte enthalten gewesen seien, erklärt Ott. Vom Altindischen seien die Erzählungen später ins Mittelpersische übersetzt worden, ins Pahlavi, die Sprache Irans vor der islamischen Eroberung. Erst danach habe es Fassungen auf Arabisch gegeben. Die Texte hätten also einen ähnlichen Weg beschritten wie die Waren auf der legendären Seidenstraße, ein „globaler Literatur-Transfer“.

Viele der Geschichten aus 1001 Nacht spielen noch viel weiter im Osten als in Indien oder im Iran, beispielsweise im chinesischen Kashgar. Sie seien angesiedelt „im Orient des Orients“, in exotischen Regionen voller Geheimnisse, deren geografische Zuordnung sehr verschwommen sei.

„Unorthodox im weitesten Sinne“

„Orient“ sei die Region, auf die wir unsere Wünsche und Sehnsüchte projizierten, führte Ott weiter aus. Im Gegensatz zu anderen arabischen Anthologien, die bestimmten Verfassern oder Sammlern zugeordnet waren, sei „Tausendundeine Nacht“ anonym überliefert worden. Die Rahmenhandlung wurde im weiteren Verlauf der späteren Jahrhunderte mit immer neuen Erzählungen angereichert (um das Jahr 1000 zum ersten Mal vollständig): eine Sammlung von unterhaltenden Geschichten, in denen es auch „unorthodox im weitesten Sinne“ zugehe. So gebe es in „Tausendundeine Nacht“ eine Fülle von erotischen Episoden. Die Geschichten strotzten nur so vor Lebensweisheit, vor Lebensfreude, aber auch vor Humor. Humor sei sowieso „das I-Tüpfelchen auf der arabischen Literatur“.

Aladin, Sindbad, Ali Baba

Zumeist seien die Erzählungen angesiedelt „in einer wirklichkeitsnahen Welt“. „Tausendundeine Nacht“ sei ein „großer Kaufmannsspiegel des Mittelalters“. In solchen Spiegeln wurden damals Leitbilder verschiedener Stände und Berufe festgehalten. Betont märchenhafte Geschichten wie die von Aladin und der Wunderlampe, von Sindbad dem Seefahrer oder von Ali Baba und den 40 Räubern seien späte Zutaten. Für die zwölfbändige französische Nachdichtung „Les mille et une nuits, contes arabes“ von Antoine Galland, veröffentlicht zwischen 1704 und 1717, habe ein Gewährsmann aus Aleppo dem Übersetzer diese aus anderen Quellen stammenden Geschichten aus dem Gedächtnis nacherzählt, sie ihm also sozusagen „in die Feder diktiert“.

Wirbelnde Finger, galoppierende Pferde

Eingeleitet hatte Claudia Ott ihren Vortrag mit einer auswendig vorgetragenen Lesung der von ihr übersetzten Einleitungskapitel von „Tausendundeine Nacht“, die sie musikalisch mit improvisierten Melodien auf der persischen Rohrflöte (Nay) verzierte, mit wirbelnden Fingern begleitet von Hadi Alizadeh an Tombak (Bechertrommel) und Daf (Rahmentrommel). Seine virtuosen Soli entpuppten sich ebenfalls als Geschichten – da galoppierten Pferde, traten zwei Stimmen in einen Dialog, dazu gab es geheimnisvoll kratzende und flirrende Geräusche, die die Spannung auch ohne Worte erheblich steigerten.

Das „Glückliche Ende von 1001 Nacht“

Zur Abrundung las die in Göttingen mit einem Lehrauftrag am Seminar für Arabistik wirkende Orientalistin und Musikerin Ott das „Glückliche Ende von 1001 Nacht“. Der um 1500 zu datierende arabische Text liegt, einer fehlerhafter Betitelung wegen lange unbeachtet geblieben, in der Raşit-Efendi-Bibliothek in Kayseri in Zentralanatolien. Er wurde von Claudia Ott 2016 erstmals ins Deutsche übertragen, „nichts Geringeres als eine Sensation“, wie es in einer Rezension der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß.

Tausendundeine Nacht. Das glückliche Ende, übertragen von Claudia Ott, München (C. H. Beck) 2019, 426 Seiten, 24,95 Euro.

Von Michael Schäfer

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