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Regional Im Rausch von der Oberflächlichkeit der Jugend in die Tiefe des Erwachsenseins
Nachrichten Kultur Regional Im Rausch von der Oberflächlichkeit der Jugend in die Tiefe des Erwachsenseins
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09:48 25.11.2017
Exzess reloaded: Zehn Jahre nach dem Tod ihres Freundes lassen es Charlotte (Dorothée Neff), Ted (Benedikt Kauff) und Danny (Gabriel von Berlepsch) noch einmal krachen – um zu begreifen, dass es mehr im Leben gibt als Partys und Drogen. Quelle: Isabel Winarsch
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Göttingen

Eine fast leere Bühne, rechts und links stehen Scheinwerfer, drei flippige Gestalten betreten den Raum und erzählen in einem schnellen Wortwechsel eine Geschichte – ihre Geschichte: Charlotte, Danny und Ted sind zusammen in London aufgewachsen. Sie haben zusammen getrunken, gefeiert, Drogen genommen und mussten den frühen Tod ihres Freundes Tony verarbeiten. Als sich der Todestag zum zehnten Mal jährt, kommen die drei Freunde an seinem Grab zusammen und reflektieren ihr Leben. Charlotte (Dorothée Neff), mit rotem Flauschpulli und blauer Anzugshose, hadert mit ihrem Job als Lehrerin. Ted (Benedikt Kauff) mit seinem langweiligen Büroalltag und Danny (Gabriel von Berlepsch) mit seiner erfolglosen Band. Alle drei vermissen die exzessiven und sorglosen Tage ihrer Jugend, an denen die Welt noch ihnen gehörte.

Übersetzung von Judith Holofernes

Mit „Wasted“ inszeniert Johannes Rieder die deutschsprachige Erstaufführung von Kate Tempest gleichnamigen Stück. Dennoch finden sich mehrere englische Passagen in der Inszenierung. Tempest ist eine britische Rapperin und Autorin, die sich vor allem für Menschen interessiert, die nicht erwachsen werden wollen. Judith Holofernes, Sängerin von der Band „Wir sind Helden“, übersetzte das Stück ins Deutsche.

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Das teils humorvoll Spiel der Darsteller stellt das Stück weniger traurig und düster als die Vorlage dar. Sie vermitteln eine reelle Hoffnung auf Veränderung. Die Spielenden nehmen die Bühne mit ihrem harmonierenden Charme und den auffälligen Kostümen (Thomas Unthan) ein: Ted provoziert mit einer Mischung aus schwarzer Lederjacke und weißen Tennissocken und Danny mit karierten Anzug und zerrissenem Top.

Feiern wie früher

Zu Ehren Tonys beschließen die Freunde wie früher feiern zu gehen. Dargestellt durch Nebel, der immer dichter wird. Das Licht flackert und die Darsteller irren, springen, rutschen und zucken gekonnt über die Bühne. Ein kräftiger Schlagzeug-Beat ertönt. Alles wird schneller. Riesige Luftwesen, die an Hüpfburgen erinnern, werden derweil aufgeblasen. Ein blauer Teddy, eine rote Fratze und ein grünes Etwas. Die Spielenden laufen dagegen und verstecken sich dahinter. Die wirre Tanzeinlage endet abrupt. Ted, Dan und Charlotte liegen schwer atmend auf dem Boden. Währenddessen sacken die Luftwesen in sich zusammen. Vom Drogenkonsum benebelt gestehen sie sich ihre gegenseitige Liebe und sagen den jeweils anderen wie gut sie es doch haben. Ein Wendepunkt im Stück. Die anfängliche dargestellte Oberflächlichkeit, beispielsweise als Danny von seinem neuen Drummer erzählt, den er noch nie spielen gehört hat, aber aufgrund seiner „langen Haare und Tattoos“ für fähig hält, verwandelt sich in Ehrlichkeit. Es seien die kleinen Momente im Leben, aus denen man „das Beste herausholen“ muss.

Wille zur Veränderung

Der Wille zur Veränderung lässt sie erkennen, was sie bereits an ihrem Leben schätzen, sei es die Partnerin, ihre langjährige Freundschaft oder wenn zwei Autos derselben Farbe nebeneinander parken. Am Ende schwingen drei Kabel über die Bühne, Danny, Charlotte und Ted ziehen und rütteln und lassen es goldenes Lametta regnen. Eine Ode an die kleinen Dinge?

Kate Tempest’ Stück in einer Inszenierung am Deutschen Theater Göttingen

Weitere Vorstellungen

Die nächsten Vorstellungen: 30. November, 7., 16., und 23. Dezember um 20 Uhr und am 3. Dezember um 18 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 0551/4969300. Karten gibt es auch in den Geschäftsstellen des Göttinger, Weender Straße 44, und Eichsfelder Tageblatts, Marktstraße 9, und online unter gt-tickets.de.

Von Madita Eggers

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