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Regional We Are The City aus Kanada im Göttinger Nörgelbuff
Nachrichten Kultur Regional We Are The City aus Kanada im Göttinger Nörgelbuff
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17:49 26.06.2015
Singt mit eindringlicher und kehliger Stimme: Cayne McKenzie.
Singt mit eindringlicher und kehliger Stimme: Cayne McKenzie. Quelle: Linnhoff
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Göttingen

Ihr aktuelles Album „Violent“ haben sie in einem liebevoll „Magic House“ getauften Haus geschrieben, dass später dann abgerissen wurde. Parallel dazu haben sie einen gleichnamigen Film gedreht, der auf mehren renommierten Filmfestivals ausgezeichnet worden ist. Er handelt wie auch das Album von Tod, Liebe, Einsamkeit, Alleinsein und Erinnerung. Das Drehbuch, komplett in Norwegisch verfasst, erzählt von einer jungen Norwegerin, der bei einem traumatischen Erlebnis die Erinnerung an fünf Menschen, die sie sehr liebten, wieder ins Gedächtnis zurückgerufen werden.

Extrem wie die Motive des Films ist auch der musikalische Auftritt von We Are The City. Sänger und Keyboarder Cayne McKenzie, Gitarrist David Menzel und Drummer Andrew Huculiak legen los, als sei ihnen der Teufel auf den Fersen. Hartes, explosives Schlagzeug, sphärische Keybordklänge und die eindringlich, kehlige Stimme von McKenzie vermischen sich mit teils verzerrten Gitarrensounds. Die Band arbeitet sich von Beginn an mit vollem Körpereinsatz an ihren Instrumenten ab. Ihre Körper zucken zum Rhythmus wie unter einem Stroboskoplicht. Eingeworfene Klangstrukturen werden immer wieder unterbrochen von plötzlichen Breaks, zu perkussivem Klatschen und trockener Bassdrum singt McKenzie sich die Seele aus dem Leib.

„Guten Abend mein Freund, this is a pretty city, we know every band says this, but we mean it“ ist eine ihrer kargen Zwischenkommentare. Ihr Deutsch sei nicht gut. Sie seien eine laute Band, hätten aber auch ruhige Songs dabei. Zum Ende einer dieser eher raren Darbietungen erklingen nur getupfte Keyboardklänge und die Stimme von McKenzie flüstert sich förmlich aus dem Song. Ihre Soundtüfteleien wecken folgerichtig Assoziationen zu Filmsoundtracks.

So abrupt wie das Konzert angefangen hat, ist es nach gut 50 Minuten auch wieder vorbei. Die Stecker werden umgehend gezogen, ein klares Signal an das Publikum, dass es ohne Zugabe nach Hause gehen muss. Trotzdem gibt es freundlichen aber reservierten Applaus. Eine eigenwillige Vorstellung mit spannenden Momenten, die klanglich jedoch an die akustische Schmerzgrenze ging.

Von Jörg Linnhoff