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Regional Weichheit der Erde an die Wand geworfen
Nachrichten Kultur Regional Weichheit der Erde an die Wand geworfen
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19:13 30.03.2012
Unkonventionelle Materialien: Sander arbeitet mit Erdigem.
Unkonventionelle Materialien: Sander arbeitet mit Erdigem. Quelle: PH
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Göttingen

Dieses Interesse pflegt Sander seit mehr als drei Jahrzehnten als Künstler, Musiker und Quasi-Wissenschaftler. Unter dem Titel „Erdzeichen – Land. Leben und die geo.poetischen Felder“ sind jetzt im Studio Wasserscheune in Erbsen seine Werke und vor allem Funde auf Leinwänden zu sehen.

Die auf drei Ebenen gehängten Werke sind großformatig konzipiert und beanspruchen dementsprechend Raum zum Atmen. Auf den ehemals weißen Flächen spiegelt sich die Faszination des Malers für die unkonventionellen Materialien, die er mitsamt ihrer Geschichte sprechen lassen will. Mal bringen sie Ahnungen ihrer ursprünglichen Form ins Ganze ein, mal ist aus ihnen etwas komplett Neues entstanden. Ob vulkanisches Eisenoxid, Moorerde, Birkenholzasche aus einem ehemaligen Sudetendeutschen Dorf oder Sedimente vom Meeresboden der Adria – das Material, mit dem Sander arbeitet, findet sich nicht im Garten.

Der Vorsitzende des Ars-Natura-Projekts (Kunst am Wanderweg), der aktuell auch mit seiner Band „Vision Earth“ unterwegs ist, arbeitet mit großen Zusammenhängen: Das Werk „Eine Reise“ bildet einen aus Steinmehl wiedererschaffenen Stein ab, der die Gesetze der Schwerkraft überwunden zu haben scheint.

Gesteinsproben des geowissenschaftlichen Instituts

Vielleicht handelt es bei dem an dünnen Fäden schwebenden Objekt auch um einen Meteoriten, der „Leben auf die Erde gebracht hat“, sinniert Sander und bezieht sich damit auf eine vage Theorie. An die raren Materialien für seine Stoffe-Samplings gelangt der Naturverbundene unter anderem durch seine enge Zusammenarbeit mit Universitäten, wie beispielsweise dem geowissenschaftlichen Institut in Göttingen, dessen Gesteinsproben er verwenden durfte.

„Mir kommt es darauf an, das Material wirken zu lassen“, sagt Sander. Die Inspiration für die Formungen der Natur gewinnt er bei seiner Arbeit im Feld, in dem „Lineares in nicht-linearer Umgebung zu finden ist“. Deutlich wird diese Herangehensweise auch in einer Ecke mit dichter Hängung einiger kleinformatiger Bilder („Sedimentfelder“), die mit ihrer Linienführung wie ein senkrechter Blick aus dem Orbit auf die Erde wirken.

Oder in den abstrahierten Farbfeldmalereien in denen Sander immer wieder den sanften Kontrast sucht, buchstäblich die Weichheit der Erden an die Wand werfen will – auch im Ton – und Übergänge schafft. „Ich akzeptiere es nicht, dass Land zu Ende ist.“ So sind auch die Werke „Verlassenes Land“ gleichzeitig als Abschied und als Neuanfang zu verstehen.

Sein Atelier hat Sander passend zur Geschichte unter anderem vor Ort in Tschechien bei Asch, dem Wohnsitz seiner Schwiegermutter. Als Musiker gibt der Erdnahe zur Ausstellungseröffnung natürlich auch ein kleines Konzert auf – wie sollte es anders sein – exotischen Instrumenten: Ein Waterphone und eine selbstgeschnitztes Woodensax bringt er dabei zum Klingen. Der Hund singt begeistert mit.

Von Anna Kleimann

Wann ? Wo ?

Bis 22. April sonntags von 15 bis 18 Uhr im Studio Wasserscheune, Alte Dorfstraße 4 in Erbsen.