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17:29 24.11.2017
Heiligabend allein: Maria (Gaby Dey) und Josef (Andreas Jeßing) im Modehaus Woggon.
Heiligabend allein: Maria (Gaby Dey) und Josef (Andreas Jeßing) im Modehaus Woggon. Quelle: Thomas Müller
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Göttingen

Maria putzt im Kaufhaus, Josef ist hier der Wachmann. Beide sind am Heiligen Abend allein. Sie ist bei ihrer Familie, besonders bei der Schwiegertochter, nicht erwünscht, er hat mit dem Untergang des Sozialismus den Lebensinhalt verloren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen die beiden sich näher, erzählen sich von ihren ziemlich verkorksten Leben und wagen schließlich beim Tango den Aufbruch in eine bessere Zeit.

Eine nachdenklich machende Geschichte ist das Stück von Peter Turrini. Im vergangenen Jahr fragte das Deutsche Theater bei Perrig an, ob er das Stück inszenieren wollte. Und zwar in einem Modeladen. „Ich kannte das Stück gar nicht“, so der Regisseur. Er sei dann aber sofort begeistert gewesen. Diese beiden seien ja „aus der Zeit gefallene Menschen, wie zwei Gespenster.“ Und so ein Stück dann in einem so modernen Klamottenladen wie Woggon spielen zu können, sei toll. Es biete eine einmalige Gelegenheit zur Konfrontation.

Der Spielort mache tatsächlich den besonderen Reiz aus, so Dey und Jeßing. Im Theater wissen die Leute jetzt kommen gleich Schauspieler, bei Woggon wissen sie das nicht so genau. Es lasse einen anders spielen, sagt Dey. Der Raum mit seiner steilen Treppe im Zentrum, den Kai Woggon dem Theater gern zur Verfügung stellt, helfe „tatsächlich auf merkwürdige Art beim Spiel“, ergänzt Jeßing. In anderen Stücken müsse der Schauspieler im Kopf den Raum erschaffen. Und hier gebe es so wunderbare Dinge, wie den Fahrstuhl, der in „Super-Slowmotion“ die eine Etage überwindet. „Toll, das müsste man sonst erfinden.“ Und die Treppe. Sie ist der zentrale Spielort in der Inszenierung. „Wir haben uns eine Treppe auf der Probebühne nachbauen lassen“, sagt Perrig. Die wurde aber gar nicht allzu oft gebraucht. Besser waren die Proben im realen Raum. „Ohne den Laden ging es eigentlich gar nicht!“ Im Modeladen zwischen den Kleidern aber umso schneller. In knapp vier Wochen haben die drei das Stück erarbeitet.

Zu den Besonderheiten gehört auch, dass die Zuschauer sich anders verhalten. In einer Vorstellung habe beispielsweise eine Zuschauerin ein Kleid weggehängt, erzählt Dey. „Das passte in ihren Augen farblich nicht an der Stelle!“ Schlecht, denn Dey braucht als Maria am Ende des Stückes genau dieses Kleid. „Hier hing eigentlich ein Kleid!“ Ihr Ruf machte klar, „wir müssen das Ende anders spielen.“

Dey und Jeßing spielen das Stück aber auch aus anderen Gründen ausgesprochen gern. „Ich erlebe die Weihnachtszeit bewusster, als wenn ich normale Stücke spiele“, sagt die Schauspielerin. Und Jeßing freut sich, dass er eine Figur spielen kann, die Kritik am Weihnachtsfest ausspricht. Erschreckend sei es, so Dey, „da sind überall Klamotten um einen herum und dann spielt man eine Frau, die sich das gar nicht leisten kann.“

Auch für die Zuschauer sei so ein ausgesprochenes Weihnachtsstück - mal für die Großen - was anderes. Der Rahmen, die Geschichte, die zum Glück nicht kitschig ist. „Das sind ja keine so ganz sympathischen Figuren“, so Perrig. Die können nun wirklich nicht zusammenpassen, denke man. Das mache den Reiz aus: „Je unwahrscheinlicher desto schöner.“ Gern würden Dey und Jeßing „Josef und Maria“ auch im nächsten Jahr wieder spielen. Vielleicht könne daraus ja eine Tradition werden.

Für die Vorstellungen am 18. , 20. und 21. Dezember gibt es noch Karten unter der Telefonummer 0551/ 49 69 300 an der Theaterkasse des DT.

Von Christiane Böhm

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