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Regional Wenn Lumpi sich über Antons Hals beugt
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20:06 14.11.2010
Wollen wieder sterblich sein: die Vampire Anna (Marie-Thérèse Fontheim), Rüdiger (Alois Reinhardt), Lumpi (Benjamin Berger) und Ludwig von Schlotterstein (Paul Enke).
Wollen wieder sterblich sein: die Vampire Anna (Marie-Thérèse Fontheim), Rüdiger (Alois Reinhardt), Lumpi (Benjamin Berger) und Ludwig von Schlotterstein (Paul Enke). Quelle: Winarsch
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Er sitzt auf dem Arm seiner Großmutter und erzählt von Fledermäusen. Bestimmt auch, weil er seinen Vater über die Bühne hat fliegen sehen. Es ist der Sohn von Alois Reinhardt, der die Titelrolle in dem gruselig-spaßigen Familienstück spielt. Regie führte Joachim von Burchard, auch er dem Namen nach ein Adeliger wie die schräge Vampirfamilie derer von Schlotterstein, die so gerne wieder Menschen wären. Und das ist die Kerngeschichte in dem temporeichen vorweihnachtlichen Familienstück für Besucher ab sechs Jahren.

Anton Bohnsack (Domink Bliefert) ist neun Jahre alt und wild auf Gruselgeschichten. Eines Abends, seine Eltern sind im Kino, purzelt Rüdiger (Alois Reinhardt) durchs offene Fenster. Ein bisschen schwach auf den Beinen ist der Elfjährige, denn er hat Hunger. Blut braucht er, doch nicht das von Anton, denn die Schlottersteins wollen gute Vampire sein. Sie trinken nur das Blut von Kühen.
Eigentlich wollen sie wieder sterblich werden und dabei kann einer helfen, von dem das am wenigsten zu erwarten ist: Rüdigers Menschenfreund Anton. Er ahnt, wo der entscheidende Stein versteckt ist, der zu dem Amulett gehört, das die Vampirfamilie in der Vollmondnacht in Menschen verwandeln kann.

Flott geht es zu auf der Bühne im Großen Haus. Anton muss seinen Vampirkumpel und dessen Schwester Anna (Marie-Thérèse Fontheim) immer wieder vor seinen Eltern verstecken, Rüdiger seinen Menschenfreund vor seiner blutsaugenden Sippe. Vampirjäger Geiermeier (Lutz Gebhardt) hetzt die Schlottersteins und Lumpi (Benjamin Berger), Rüdigers großer Bruder, lebt aufmüpfig in seiner Dauerpubertät. Burchardt hat alle Chancen genutzt, um Tempo in die 90-minütige Inszenierung zu bringen. Eine Verfolgungsjagd jagt die nächste. Man hetzt sich um die Gruft („Vampire State Building“), die Ausstatterin Jeannine Simon drehbar in der Bühnenmitte platzierte. Und das junge Publikum geht mit Feuereifer mit.

Viele Register zieht der erfahrene Kinder- und Jugendtheatermann von Burchard, der weiß, was der Theaternachwuchs mag. Er lässt Anton und Rüdiger durch die Luft segeln, Rüdiger durch die Gegend kullern, Anna wild mit Anton flirten und die Vampirsippe die professionellen spitzen Eckzähne fletschen. Ein Raunen des Gruselns geht durch den Zuschauersaal, wenn Lumpi sich über Antons Hals beugt. Doch von Burchard nimmt auch immer wieder Fahrt aus dem munteren Treiben, gerne mit musikalischen Einlagen, für die Jan Exner verantwortlich zeichnet. Bunt ist diese Produktion geworden, bei der sich die jungen und auch die älteren Besucher angemessen gruseln können, ohne um den Schlaf gebracht zu werden. Das Premierenpublikum hat diesen Abend genossen und mit rauschendem Beifall gefeiert.

Die nächsten Vorstellungen im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11: am 28. November um 16 Uhr sowie am 29. November um 9 und 11.30 Uhr. Zahlreiche weiter Aufführungen im Dezember. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

Von Peter Krüger-Lenz