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Regional Wesen erhebt sich aus wolkigem Grund
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16:49 31.07.2011
„Der Hund“: Teil der Serie III des Künstlers Joan Miró, zwischen 1952 und 1953 angefertigt.
„Der Hund“: Teil der Serie III des Künstlers Joan Miró, zwischen 1952 und 1953 angefertigt.
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Die Aquatinta des katalanischen Künstlers Joan Miró (1893-1983) mit dem Titel „Le chien“ („Der Hund“) befindet sich seit ihrem Entstehungsjahr 1953 in der graphischen Sammlung der Universität Göttingen. Sie wurde als eine von insgesamt sechs Graphiken verschiedener Künstler aus der Wanderausstellung „Farbige Graphik“ mit Hilfe des Universitätsbundes erworben. Der Künstler Miró beschäftigte sich seit den 1930er Jahren intensiv mit der Graphik als Kunstform und stellte allein zwischen 1933 und 1963 neun graphische Serien in verschiedenen Tiefdruckverfahren her. Mitunter mischte er die Varianten wie Radierung und Aquatinta auch im selben Blatt. Die Aquatinta der Göttinger Sammlung stammt aus der sogenannten „Serie III“, die Miró zwischen 1952 und 1953 anfertigte. Die Serie umfasst sechs Blätter, in einer Auflage von je 50 Exemplaren gedruckt.

Miró, der Zeit seines Lebens betonte, dass die Form für ihn „niemals etwas Abstraktes … immer ein Zeichen von etwas“ sei, stellt den Betrachter der Aquatinta vor ein Rätsel, eine Chiffre, die es zu lösen gilt. Denn vordergründig ist der Bildinhalt des Blattes nicht gegenständlich, lediglich der Titel der Graphik verleitet den Betrachter zu einer Einordnung des Sujets.

Damit verhält sich die Aquatinta wie ein Gros der Kunst der Moderne, sie provoziert einen Antagonismus zwischen dem Anliegen des Künstlers, den emotionalen Wert des Sujets zu vermitteln und der Rezeption des Betrachters, der aus seinem individuellen Erfahrungshorizont das Bild wie seine Wirkung zu verstehen versucht.

Betrachtet man das Blatt mit dem Titel „Der Hund“, erhebt sich aus wolkigem Grund ein dem Betrachter zugewandtes Wesen. Eine nicht umgrenzte maskenartige Kombination aus kleinen runden Punkten, der senkrechten roten Form direkt zwischen ihnen und einer waagerechten gerundeten verdickten blauen Linie auf der rechten Bildseite lassen Teile eines Gesichts vermuten. Unter und neben der Gesichtsform befinden sich insgesamt drei schwarze und eine rote verdickte und gekrümmte Linien. Sie wirken gleichsam spontan gezeichnet wie aufgrund ihrer ähnlichen Formen und parallelen Anordnung auf der linken Bildseite konstruiert.

Der Hintergrund der Aquatinta ist grau, die körperartigen Formen lässt Miró jedoch aus weißem Grund hervortreten. An der linken Bildseite finden sich zwei Symbole, ein schwarzer Stern am oberen Rand und ein schwarzer Kreis unten.
Bei der Graphik handelt es sich um eine Aquatinta. Die Aquatinta ist ein Tiefdruckverfahren, bei dem eine Platte durch einen Ätzvorgang erst mit einer Zeichnung versehen wird und im Folgenden durch das Auftragen von Farbe auf ein Papier gedruckt wird. Das Verfahren erlaubt, ebenso wie die Symbole, die Miró zyklisch in seinem Werk verwendet, einen Einblick in die charakteristische Art der Gestaltung der Göttinger Aquatinta.

Von Henrike Hans

Die Autorin ist Mitarbeiterin der Kunstsammlung der Universität Göttingen und stellt das Kunstwerk „Der Hund“ am Sonntag, 7. August, um 11.30 Uhr im Auditorium, Weender Landstraße 2, Hörsaal 11, vor.