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Regional Wo sich Liebe und Tod ineinander verschränken
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18:57 22.09.2009
Liebe bis zum Tod: Des Grieux (Keith Olsen, l.) trauert um die tote Geliebte Manon Lescaut (Sara Eterno).
Liebe bis zum Tod: Des Grieux (Keith Olsen, l.) trauert um die tote Geliebte Manon Lescaut (Sara Eterno). Quelle: Ketz
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Gegen „Tosca“ oder „Madama Butterfly“ hat es Puccinis frühe Oper „Manon Lescaut“ schwer. Dabei zeigt der italienische Komponist schon sehr deutlich seine Handschrift – und beweist nicht zuletzt seine Fähigkeit, die Grundelemente dieses Genres, nämlich Liebe und Tod, in ausgesprochen bühnenwirksamer Weise musikalisch umzusetzen.

Gabriele Rech hat jetzt Puccinis lyrisches Drama zur Spielzeiteröffnung am Kasseler Staatstheater inszeniert. Unaufdringlich versetzt sie die Handlung aus dem 18. ins 20. Jahrhundert. Das Wirtshaus des ersten Aktes ist mit einer Straßenkarte Nordfrankreichs dekoriert, ein paar Spielautomaten und der Stil der Kostüme (Renée Listerdal) markieren die Zeitebene.
Das ist überhaupt kein Frevel – schließlich geht es in dieser Oper um menschliche Gefühle jenseits jeglicher Zeitgebundenheit. Manon Lescaut wandelt sich von einer leichtfertigen, dem bloßen Lebensgenuss zugewandten Frau zu einer bedingungslos Liebenden, eine Entwicklung, der das Schwinden des äußeren Glücks bis hin zum Tod der Heldin entgegensteht. Die Läuterung ihrer Gefühle bedeutet zugleich ihr physisches Ende.

Verwüstet, zerstört

Dass dieses musikalisch so reiche Finale den Gegenpunkt zum Beginn bildet, macht Bühnenbildner Dieter Richter auf eindringliche Weise deutlich: Nicht eine öde Ebene an der fernsten Grenze von New Orleans (so das Libretto) ist der Schauplatz von Manons Ende, sondern das eingangs gezeigte Wirtshaus, das – wie Manons Leben – jetzt verfallen, verwüstet, zerstört ist.
Die Titelrolle singt die aus Mailand stammende Sopranistin Sara Eterno, seit dieser Spielzeit neu in Kassel, vorher in Salzburg und Freiburg engagiert. Nach etwas zögerlichem Beginn wächst sie mehr und mehr in ihre Partie, sowohl in der Intensität ihrer Darstellung als auch in ihren hohen sängerischen Qualitäten: klares Timbre, große dynamische Bandbreite von lyrischer Weichheit bis zu durchschlagskräftigen Spitzentönen.
Als Gast debütiert der amerikanische Tenor Keith Olsen in der Rolle des Chevalier Des Grieux in Kassel. Seine Stärken liegen eher im lyrischen Bereich als in dramatisch-heldischen Tönen, für die er hörbaren Krafteinsatz mitbringt. Der kraftvolle Bariton von Geani Bradi passt gut zur Rolle von Manons Bruder. Krzysztof Borysiewicz gibt der Rolle des reichen, stets auf seinen Vorteil bedachten Steuerpächters Geronte de Ravoir deutliche Konturen: ein kultivierter Bassist, der ebenfalls erst seit dieser Spielzeit dem Kasseler Ensemble angehört. Unter den kleineren Partien sei Igor Durlovski (Wirt, Sergeant) hervorgehoben, der seinen Rollen mit wenigen Strichen viel Farbe zu verleihen versteht.

Leidenschaftlich, glutvoll

Viel Gewicht hat der von Marco Zeiser Celesti einstudierte Chor in dieser Oper, den die Regisseurin meist recht lebendig szenisch einzusetzen versteht. Am Dirigentenpult in der Premiere steht der Kasseler Generalmusikdirektor Patrik Ringborg, der seinem gut disponierten Staatsorchester leidenschaftliche, glutvolle Impulse gibt und das virtuose Spiel der Gefühle auf der Bühne musikalisch dicht und intensiv nachzeichnet.
Nächste Termine im Opernhaus Kassel am Friedrichsplatz: 25. September (mit Espen Fegran als Bruder Manons und Mario Klein als Geronte), 30. September sowie 10. und 13. Oktober um 19.30 Uhr, 17. Oktober um 19 Uhr. Karten unter Telefon 05   61   /   10   94-222.

Von Michael Schäfer

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