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Regional Wolkiger Strich und lebendiger Rauch
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18:22 30.09.2009
Inmitten wollbehangener Vulkane: Künstlerin Viday Gastoldon.
Inmitten wollbehangener Vulkane: Künstlerin Viday Gastoldon. Quelle: Heller
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Einige der Schnüre sind aus Mohairgarn, dessen zarte wollige Fasern sachte abstehen, andere sind aus Kunstfaser oder dicker Schafwolle zusammengeknüpft. Leicht schwingen die wolligen Gebilde im Galerieraum, ihr Volumen wird durch die Fäden bestimmt, formal entsprechen diese Objekte einer Zeichnung im Raum.
Unweit liegen weitere Strickkörper auf dem Boden: schmale Streben, mit neonfarbener Wolle umstrickt, ergeben geometrische Körper. Auch hier ist das Lineament von Zeichnungen zu finden, gleichzeitig wird Volumen umspielt.

Zart und Fantasiereich

Die Zeichnung – allerdings weniger mit ihrem bestimmenden Element der Linie – spielt die entscheidende Rolle in den Arbeiten Vidya Gastaldons. Auf kleinen bis großen Formaten hellen Papiers sind die zarten, fantasiereichen Farbstiftzeichnungen zu sehen. Ein sich rosa am Boden auftürmender Wolkenberg, der mit organischen Elementen und Gesicht versehen ist, dem in roten Fäden etwas wie unguter Speichel das Kinn herab rinnt. Ein alter Mann mit langem Bart, der von einer Wolke auf die Erde uriniert. Ein großes Auge, das aus einer weiteren Wolke schaut, die mit breitem Grinsen lächelt. Pilze, balinesische Katzen, Regenbögen, Berge, viele verwunschene Landschaften: So wolkig die Motive, so wolkig zeigt sich auch der Strich der französischen Künstlerin.

Grenzenloser Subjektivismus

Leicht schraffiert sie Motive, die von der psychedelischen Kunst der 1960er Jahre inspiriert sind, Plakate von Konzerten im San Francisco Fillmore – The Byrds, Van Morrison, Quick Silver und viele mehr aus der Sammlung von Lutz Hieber und Gisela Theisig – sind der Ausstellung zur Seite gestellt.
In den Objekten und Zeichnungen spiegelt sich eine zutiefst spirituell wirkende Weltsicht oder doch zumindest Ansicht. Religiöses und Mystisches sind der Gipfel dieses grenzenlosen, ernst gemeinten Subjektivismus. Würde man auf Pilzen durch die Welt gehen – würde sich diese radikale, kindlich wirkende, ungebrochene Subjektivität vielleicht leichter nachvollziehen lassen.
Die Ausstellung ist bis zum 8. November in der Göttinger Galerie Apex zu sehen. Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends 11 bis 16 Uhr.

Von Tina Lüers

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