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Regional Woodstock-Legende Canned Heat kommt nach Nordhessen
Nachrichten Kultur Regional Woodstock-Legende Canned Heat kommt nach Nordhessen
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19:00 23.09.2019
Canned Heat mit Thomas Ruf (3.vr.) 2015 in Bad Sooden-Allendorf Quelle: r
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Bad Sooden-Allendorf

Nach Eric Burdon holt das auf Blues und Bluesrock spezialisierte Independent-Label Ruf Records eine weitere Legende der Woodstock-Ära nach Nordhessen. Canned Heat, deren „Going Up The Country“ als inoffizielle Woodstock-Hymne gilt, geben am Freitag, 11. Oktober, ein Gastspiel im Kultur- und Kongress-Zentrum (KuK) Werratal in Bad Sooden-Allendorf. Die zweite gute Nachricht für Bluesrockfans: Der schwarze US-Amerikaner Big Daddy Wilson, der als Support für Burdon kurzfristig ausgefallen war, steht dort am 11. Oktober ebenso auf der Bühne wie Vanja Sky, eine junge Sängerin und Gitarristin aus der kroatischen Hauptstadt Zagreb.

Mit dieser generationsübergreifenden Kombination startet Ruf Records zur Feier der 25-jährigen Firmengeschichte die Konzertreihe „Bluesnight“. Die soll künftig einen festen Platz im Kultur-Jahreskalender des Werra-Meissner-Kreises bekommen, sowohl Veteranen als auch Nachwuchstalenten eine Bühne bieten. Und damit nicht nur ergraute Semester, die beim Einlass zum Burdon-Abschiedstour-Konzert den von Fachwerkhäuschen umstandenen Kurpark am KuK bevölkert haben, als Gäste für Bad Sooden-Allendorf zu gewinnen.

„Canned Heat gehören zu der Art von Bands, die auch heute noch weltweit Anhänger hat und deren Auftritte den Sprit von Peace und Love verströmen“, kündigt Ruf Records die „ungekrönten Könige des Boogie-Blues“ an. Die hatten ihre größten Erfolge in den späten 1960er-Jahren mit Songs wie „On the road again“, „Amphetamine Annie“ oder besagtem „Going Up The Country“.

Brennpaste mit Erblindungsgefahr

Canned-Heat-Gitarrist Larry Taylor ist im August gestorben. Quelle: r

Ansonsten stand die Bandgeschichte unter keinem guten Stern und scheint die Redensart „Nomen est omen“ zu bestätigen. Canned Heat heißt frei übersetzt Hitze in Dosen und ist an den „Canned Heat Blues“ des Delta-Blues-Musikers Tommy Johnson aus dem Jahr 1928 angelehnt. Den Hintergrund des verheerenden Suchtporträts hat „Bluesprofessor“ David Evans bei einem seiner Vorträge im Vinyl-Reservat in Göttingen erläutert. Canned Heat hieß eine in Blechdosen abgefüllte Brennpaste, die auch noch nach Prohibition und Depression bei der ärmeren US-Bevölkerung als Schnapsersatz beliebt war. Der hohe Methylalkohol-Gehalt führte in vielen Fällen zu Erblindung und Tod.

"I'm a survivor in charge": Von der Canned-Heat-Urbesetzung lebt nur noch Adolfo Fito de la Parra. Quelle: r

Von der Urbesetzung der Bandlegende Canned Heatdabei ist inzwischen nur noch Drummer Adolfo „Fito“ de la Parra. Der an Depressionen leidende Ausnahme-Mundharmonikaspieler Alan Wilson ist bereits 1970 an einer Überdosis Tabletten gestorben. 1981 folgte ihm Leadgitarrist Bot Hite – durch Herzversagen nach Jahren exzessiven Drogenkonsums. 1987 starb Gründungsmitglied Henry Vestine „on the road“. Auch er soll ein Drogenproblem gehabt haben. Im August dieses Jahres sei dann auch Bassist Larry „The Mole“ Taylor gestorben, bestätigt Ruf Records. Auch die aktuelle Besetzung vermittele aber mit zeitlosen Hits „das alte Feeling von Grenzenlosigkeit“.

Seelentiefen ausgelotet

Als Support für Eric Burdon im Juni in Bad Sooden-Allendorf ist Big Daddy Wilson ausgefallen, jetzt teilt er sich dort die Bühne mit Canned Heat. Quelle: r

Grenzen aufzeigen und Seelen berühren kann Big Daddy Wilson, der Canned Heat auf ihrer 50th Anniversary Tour in Bad Sooden-Allendorf begleitet. Der 59-Jährige mit dem Südstaaten-Blues im Blut hat mit „Who’s Dat Knocking“ die Abgründe der Depression ausgelotet und ist mit seinem abwechslungsreichen neuen Album „Deep in my Soul“ über sich selbst hinausgewachsen – mit rockigen und balladeskem Blues- und Soulsongs.

Aus Kroatien stammt Vanja Sky, die ebenfalls bei der Bluesnight mitmischt. Quelle: r

Die 26-jährige Vanja Sky, die mit ihrer Band die ebenfalls 50-jähriges Bestehen feiernde englische Combo Ufo begleitet, ist die jüngste Entdeckung von Ruf Records: „Vanja spielt eine Mischung aus modernem Electric-Blues und klassischem, schnörkellosen Rock’n’Roll.“

Ruf Records feiert 25-jähriges Bestehen

Mit einer Session von Blueslegende Luther Allison und ein paar 80-jährigen Folkmusikern im Schwarzwald habe alles angefangen, berichtet Label-Gründer Thomas Ruf: „Ich verließ das Weingut meiner Familie, um mich als Promoter, Agent und Manager zu beweisen.“ Da Plattenfirmen häufig der Enthusiasmus und das Verständnis für die Musik fehlen würde, rief Ruf dann vor 25 Jahren Ruf Records ins Leben. Bereut hat das der Eric-Burdon-Fan ohne Business-Plan nie. Heute kann er auf 300 Veröffentlichungen, viele Touren und Konzerte zurückblicken, seine „Blues Caravan“ ist zum Sprungbrett für aufstrebende Bluesmusikerinnen und -musiker geworden. Rufs Plattenlabel und Musikverlag verfügt über fünf Mitarbeiterinnen in Lindewerra und vier Radiopromoter in den USA. Zu den Bands und Musikern, denen sich Ruf Records gewidmet hat, gehören Walter Trout, Spin Doctors, Jeff Healey, Savoy Brown, Dana Fuchs, Joanne Shaw Taylor, Samantha Fish und Anaa Popovic.

Von Kuno Mahnkopf

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