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Regional Wunderlich gestückelter Blick in den Himmel
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19:42 03.08.2011
Will Fassbares verwandeln: die in Göttingen aufgewachsene Künstlerin Miriam Hilker.
Will Fassbares verwandeln: die in Göttingen aufgewachsene Künstlerin Miriam Hilker. Quelle: Heller
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Göttingen

Zur Vernissage konzertieren die Jazzmusiker Josef Hilker, Miriams Vater, und Peter Frank und geben damit eine gelungene Einführung ins Konzept der jungen, in Göttingen aufgewachsenen Künstlerin. Die feinen Nuancen der zarten Töne verwehren allem Detailverliebten den Zugang und versprühen einen speziellen transparenten Zauber. Die visuelle Herausforderung ihrer schwebenden Luftlinien liege in den sehr hellen Farbbereichen und den minimalen Kontrasten, erläutert die diplomierte, ehemalige Studentin der Visuellen Kommunikation mit dem Schwerpunkt „Konzeptionelle Raumgestaltung“ der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.


Wenn die fragmentarischen Formen, die Lichtsplitter und sanft konturierten Farbbereiche sich wie Schwärme über die Bildflächen verteilen und harmonisch interagieren, so mag es eine Herausforderung sein, alle Tönungen und Abstufungen wahrzunehmen, aber es ist eine angenehme. Die Bildstrecken „Pulverlicht“, „Lichtperipherie“ und „Feinspur“ hat die Künstlerin in zeitintensiven Prozessen Schicht um Schicht auf die Nesselstoffe aufgetragen. Es sind Formen auf wohltemperiertem sandfarbenem Hintergrund, unangestrengter Minimalismus, blick­irritierende Flächen. Ob es feurige explosive Bewegungen, ruhige landschaftliche Flecken, Schneeflocken oder wie tibetische Gebetsfahnen anmutende Elemente sind, alle Motive sind verwandt in ihrer Vagheit.


Die Faszination für Hilker ist es, etwas Fassbares zu verwandeln in ein Nachbild, das – aus der Erinnerung entstanden – zu einem entfernten Moment wird, der in seinen Umrissen schwankt und schwimmt. Dabei geht die Johannes-Mosbach-Preisträgerin von fotografisch gebannten Eindrücken aus, die sie selbst in der Natur sammelt. Es sind „Momente für sich“, Situationen mit besonderer Lichtstimmung, die sie mit technischer Perfektion in eine andere Wahrnehmungssituation stellt. „Bestürzend zart“ nennt das ihr ehemaliger Professor Heiner Blum.

Auch die Strecke „Über meinem Blick unter meinem Blick“, die im gesonderten Seminarraum zu sehen ist, passt in dieses Schema. Allerdings auf eine andere Weise. Hier folgt die Bildkonzeption einem Liniensystem, das blauschwangere, schwere „Tasten-Flächen“ in Weißräume fließen lässt. Die neun Exponate muten wie pixelige Wolkenbilder an, wie ein wunderlich gestückelter Blick in den Himmel. Ein ganz simples System ist das für Hilker, ein ganz zauberhafter Anblick für den Betrachter.

Bis Sonntag, 21. August, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und sonnabends bis sonntags von 10 bis 16 Uhr im Foyer des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie, Am Fassberg 11 in Nikolausberg, zu sehen.