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Regional „Zuhause ist, wo ich meine Geräte aufbewahre“
Nachrichten Kultur Regional „Zuhause ist, wo ich meine Geräte aufbewahre“
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18:29 16.08.2011
Schelmenhaft: die Kabarettistin Anka Zink aus dem Rheinland.
Schelmenhaft: die Kabarettistin Anka Zink aus dem Rheinland. Quelle: Heller
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Sage man heute zu jemandem „bei Ihnen piept es“, sei das keine Beleidigung mehr sondern eine reine Sachinformation, so die unaufgeregte, schelmenhafte Rheinländerin. Angefangen habe alles mit dem Faxgerät. Wie oft habe sie das Papier in das Gerät gesteckt und sich gewundert, dass es am Ende wieder raus kam, wo sie den Zettel doch eigentlich verschicken wollte.

Etwa zur gleichen Zeit sei das Beamen als Phänomen bei Star Trek aufgekommen. Körper seien durch das Beamen an einen unbekannten Ort befördert worden. „Heute erleben wir das anhand des Navigationssystems“, erläutert Zink. Frauen und Navigationssysteme passten wunderbar zusammen. Warum? „Weil Frauen sich helfen lassen.“ Das Publikum im ausverkauften, engbestuhlten Alten Rathaus gröhlt.

Überhaupt kommt die pointensichere Zink mit ihrer uneitlen, entspannten Art bei den Göttingern gut an. Mit ihrer tiefen Stimme erzählend, schlendert sie blitzenden Auges über die Bühne und vermittelt nie den Eindruck des Einstudierten. Großartig, wenn Schwieriges so einfach erscheint. Zink – selbst Besitzerin eines iPhones und deutlich jenseits der 50 – stellt selbstironisch fest, dass man die modernen Geräte habe „damit wir uns so jung fühlen wie wir gar nicht mehr sind“. Früher sei man da daheim gewesen, wo die Familie war, „Zuhause ist heute der Ort, wo ich meine technischen Geräte aufbewahre beziehungsweise wo der Strom stabil ist“.

Als Hauptdilemma führt Zink an, dass die Gefühle in der digitalisierten Welt auf der Strecke blieben. Mann könne beim Handy nicht mehr wutentbrannt den Hörer auf die Gabel schmeißen, wenn man mit jemandem Schluss mache, und wenn Computer oder Geldautomat nicht so funktionierten wie man sich das vorstelle, fühle man sich abgelehnt. Thematisiert wird auch die Passwortmisere in der multimedialen Welt. Früher funktionierte doch fast alles mit dem kleinen Wörtchen „bitte“, „aber das erkennt mein Computer nicht an, viel zu simpel und unsicher“, stellt Zink fest. Ein gelungener Abschluss der Kleinkunstreihe des Göttinger Kultursommers.

Von Marie Varela