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Regional Zwei Meter hohe Steinfigur an die Leine versetzt
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13:59 26.11.2019
Luis Guerrero Bermudez (links) begleitet das Aufstellen der Skulptur durch Mitarbeiter des Bauhofes in der Leineaue. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Seit 1987 stand das steinerne Kunstwerk am Gothaer Haus an der Unteren Karspüle. Dort soll jetzt gebaut werden. Deshalb wurde der Brocken jetzt in die Leineaue auf Höhe des Arbeitsamtes versetzt – der Künstler war dabei.

Ein Gurt war schon gerissen. Beim zweiten Versuch hing der Stein bedrohlich schief an dem Ausleger des kleinen Krans, den der städtische Bauhof in die Leineaue zwischen Godehardstraße und Kasseler Landstraße geschafft hatte. Zwei Mitarbeiter des Bauhofs machten sich an der Metallstange zu schaffen, mit der der Brocken im Boden verankert werden sollte.

Meisterschüler bei Beuys

1987 hatte die Stadt Göttingen das Kunstwerk angekauft. Es war ein Resultat des letzten Kunstmarktes. „Ich bin dazu eingeladen worden“, sagte Luis Guerrero. Der Künstler wurde 1938 in Ecuadors Hauptstadt Quito in Südamerika geboren und wuchs dort auf. Er studierte Bildende Kunst. Mit einem Stipendium kam er nach Deutschland. In der Klasse von Joseph Beuys absolvierte er ein weiteres Kunststudium – „von A bis Z. Ich wollte einen Deutschen Abschluss“, sagte er. 1972 wurde er Meisterschüler bei Beuys und laut eigener Aussage dessen Assistent. Aus Hoppegarten war er diesmal angereist, am östlichen Rand von Berlin lebt er inzwischen. „Ich liebe die Natur“, erklärt er.

In der Oberen Karspüle entstand die Skulptur, die später an der Weender Straße neben dem Gothaer Haus aufgestellt wurde. Anwohner hätten mitgearbeitet, erinnert er sich. Sie hätten Tipps gegeben. Den Stein hatte er aus einem Baggerloch im Düsseldorfer Stadtteil Kalkum, ein Glaukonit. Solche Findlinge lägen häufig am oder im Wasser.

„Jeder Stein hat eine Persönlichkeit“

Bearbeitet hat Guerrero den Stein eher spärlich. „Ich bin nicht faul“, sagt er. „Ich habe Respekt vor der Natur.“ Der Findling sei an sich schon ein Kunstwerk. „Jeder Stein hat eine Persönlichkeit.“ Millionen von Jahren habe er gebraucht, bis er so aussah. „Ich passe mich der Natur an.“

„Begegnung“ hat er sein Werk genannt, auch wegen der Begegnung mit den Anwohnern, die ihn während der Arbeit damals begleiteten und viele der gestalterischen Elemente vorgeschlagen hätten. Aber auch wegen der kleineren Steine, die sich um den Fuß des Zwei-Meter-Brockens verteilen.

Kunstwerk in den Köpfen

Über diese Zeit Ende der 1980er-Jahre in Göttingen sagt er: „Ich war begeistert von der Architektur und habe mich verliebt“ – allerdings nicht nur in das Stadtbild. Er verliebte sich auch in eine Frau, seine spätere Ehefrau. Deren Mutter lebt noch in Göttingen. Sein jüngster Sohn, der beim Versetzen des Steins dabei war, will hier ab dem kommenden Wintersemester studieren, Biologie vielleicht, auf jeden Fall eine Naturwissenschaft. Guerrero sagt: „Ich bin ein Göttinger von Herzen.“

An der Weender Straße hatte Guerrero dem Stein eine Neigung von 15 Prozent gegeben „als Gegengewicht zu den geraden Linien der umliegenden Häuser. In der Leineaue steht er nun senkrecht, „weil er eine ganz andere Umgebung hat“, erklärt der Künstler. Dass der Stein umgesetzt wurde, sieht er als Ausnahme. Jedes Kunstwerk habe seinen Ort. Es existiere in den Köpfen der Menschen, die in der Nähe wohnten.

„Steine aus der ganzen Welt“

Auch künftig will er Göttingen besuchen. Und er verspricht: „Jedes Mal, wenn ich komme, bringe ich einen Stein mit.“ Der soll dann am Fuß des großen Findlings seinen Platz finden. „Steine aus der ganzen Welt“ sollen es sein, „aus Ecuador, Kolumbien, Syrien und anderen Ländern“.

Park der Skulpturen

Er wächst, der kleine Skulpturenpark in der Leineaue zwischen Godehardstraße und Kasseler Landstraße. Von fast genau drei Jahren, im November 2016, kamen die ersten Werke in die Leineaue. Die Gruppe „Hören und Sehen“ von Jürgen Weber zeigt einen Mund und eine Ohrmuschel, beides mächtig überdimensioniert. In unmittelbarer Nachbarschaft landete die Plastik „Klangwellen“ der Künstlerin Baecher-Duisburg. Beide Werke stammen aus einem Wettbewerb, den die Deutsche Post in Göttingen für ihren Industriebau des Fernmeldezentralenzeugamtes in der August-Spindler-Straße 1 ausgeschrieben hatte.  Das Gelände wurde von der Firma Sartorius Stedim Biotech übernommen, die der Stadt die Werke als Dauerleihgabe anbot. Bei der Aufstellung sagte die damals noch ganz frisch im Amt befindliche Kulturdezernentin Petra Broistedt, sie hoffe, dass in dem Bereich viele Werke aufgestellt werden könnten, auch ohne einen Ankaufsetat der Stadtverwaltung. Immerhin: Eines ist jetzt dazu gekommen.

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