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Regional Zwischen Herzschmerz und Thrash-Metal
Nachrichten Kultur Regional Zwischen Herzschmerz und Thrash-Metal
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14:20 22.08.2011
Begeisterten mit ausgedehnten Instrumentalpassagen und etwas Herzschmerz: Karat.
Begeisterten mit ausgedehnten Instrumentalpassagen und etwas Herzschmerz: Karat. Quelle: Heller
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Göttingen

Mit stählernen Riffs und knallharten Beats begrüßten die Thrash-Metaller von „Steel Ignition“ die Gäste am Freitagabend. Die Hardliner um Sänger Jannik Nyga machten keinen Hehl aus ihrer musikalischen Orientierung. Obwohl sie ihr Set sauber ablieferten, kamen Moshpit und Headbanger nicht richtig in Wallung. Spaß machte der Auftritt der „Stahl-Zünder“ trotzdem.

Zu Wachs wurde das Publikum in den Händen von Soul-Sängerin Stefanie Heinzmann. Mit ihrer Stammband, den „Fonky Fonks“, brachte die Schweizerin das Areal vor der Freilichtbühne zum Tanzen, lehrte die Besucher ihren „Reggae-Arm“ zu benutzen und ließ einen kleinen Fan zwischen ihre Background-Sängerinnen schlüpfen. Den Göttingern machte sie außerdem Hoffnung auf einen guten Platz in ihrem internen „Bestes-Publikum“-Contest. Die „White Lady of Soul“ im Holzfällerhemd überzeugte dank ihrer jungen, aber kraftvollen Stimme und Hits wie „My Man Is a Mean Man“, „Roots to Grow“, „Like a Bullet“ und dem Metallica-Cover „The Unforgiven“.

Den „Run“ auf den vorgezogenen Headliner Heinzmann konnten „Los Dos Y Compañeros“ nicht ganz halten, die Gäste mit Stehvermögen ließen sich aber von jeder Menge südländischem Flair und heißen Rhythmen überzeugen. Das 12-Mann-Orchester mischte Salsa-, Rumba, Merengue- und ChaChaCha-Klänge mit bayrischen Texten und produzierte so semantische Perlen wie „Sunntoch is heit und heit koch de Mama“ und „Kannt ma dau niat oina sogn wa d‘weiba san, de weiba de souchat ma“. Wer dem süddeutschen Dialekt nicht folgen konnte, beschränkte sich darauf, das Tanzbein zu schwingen und sich von der guten Stimmung mitreißen zu lassen.

Mit späterer Stunde stieg auch beim Organisatoren-Team um Margot Blotevogel vom Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen die Zufriedenheit über einen gut gefüllten Wald. „Am Freitagmittag habe ich noch gezittert, weil es so massiv geregnet hat“, gab Blotevogel zu, aber nachdem man die Tanzfläche noch einmal extra geschottert habe und der Himmel aufklarte, sei man beruhigt gewesen.

Am Sonnabend, 20. August, begrüßte wieder Revierförster und Bärenbändiger Wilhelm Kaiser alias Christoph Huber moderierend die Gäste und gab pünktlich um 19.30 Uhr die Bühne frei für die Gewinner des „Rock am Kaufpark“-Contests „Peanut Gallery“. „Doch schon so viel da...“, stellte Sängerin Maria Koch zur noch frühen Stunde ironisch fest. Aber die Newcomerband lockte mit ihrer energiegeladenen „Mischung aus Sommerpop und auf die Fresse“ die Gäste innerhalb des 30-minütigen Auftritts von Bänken und Bierständen hin zur Bühne.

Die Rathausrocker, zu deren Unterstützung sich Dienstherr Wolfgang Meyer (SPD) unter die Besucher gemischt hatte, trafen den Nerv des Best-Ager-Publikums nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten mit einem soliden Potpourri aus Klassik-Rock Nummern von Pink Floyd, Cream und den Dire Straits.

Highlight des Abends waren eindeutig die Deutsch- und Ex-DDR-Rocker „Karat“. Mit einem rund zweistündigen Set von epischer Breite, das von „Jede Stunde“, über „Der blaue Planet“ bis hin zu „Albatros“ und „Über sieben Brücken“ keinen Erfolg ausließ. Mit ausgedehnten instrumentalen Passagen und Herzschmerz-Ansagen von Sänger Claudius Dreilich („Ihr habt Herbie verloren, ich habe meinen Vater verloren“) gewann die Kult-Band ihre Zuhörer. Ein Heimspiel.

Gegen Mitternacht startete die Gruppe „Tuneship“. Mit einer ordentlich Portion Funk, R&B, House und einer dichten musikalischen Besetzung brachte die siebenköpfige Combo um Tanja Rotsch und Kat Moore aber auch zu später Stunde noch den einen oder anderen Fuß zum Wippen. Und wenn es nicht die Musik war, so war es der Atmosphäre geschuldet, dass im Wald die Lichter noch lange nicht ausgingen.

Von Anna Kleimann