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18:35 19.01.2019
Helene Hegemann spricht im Literarischen Zentrum über ihren dritten Roman. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Hegemann ist immer noch ziemlich jung und ziemlich erfolgreich. Für ihren Erstling „Axolotl Roadkill“ schrieb sie anschließend das Drehbuch, dann wurde er unter ihrer eigenen Regie und dem Titel „Axolotl Overkill“ verfilmt, beim renommierten Sundance-Filmfestival uraufgeführt, ausgezeichnet und kam 2017 in die Kinos. Ihr Roman „Bungalow“ legte ebenfalls einen erfolgreichen Start hin und stand 2018 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.

Im – reichlich mit Anglizismen gespickten – Gespräch mit Mirjam Kid (Deutschlandradio) gab die erkältete Hegemann Auskunft über ihre Arbeit am Roman. Inspiriert habe sie als Setting das Berliner Hansaviertel. Da seien die Superreichen von den Superarmen umzingelt und diese spannungsgeladene Atmosphäre habe sie fasziniert, so die 26 jährige Autorin.

Komplizierte Dreierbeziehung

Ihre Protagonistin und Ich-Erzählerin Charlie lebt dort in der nahen Zukunft mit ihrer psychisch kranken Mutter, deren willkürlichem und oft grausamen Verhalten sie schutzlos ausgeliefert ist. Aus den eigenen heruntergekommenen Wänden schaut die 12jährige Charlie auf die Bungalows der Wohlhabenden und beobachtet den Einzug des Schauspielerpaars Georg und Maria, die zu so etwas wie ihrer ersten Liebe werden, „weil sie anders waren. So hübsch und alleine und gefährlich wie Wölfe“, heißt es im Roman.

Es entwickelt sich eine komplizierte Dreierbeziehung zwischen ihr und dem glamourösen Paar, das ihr einen Gegenentwurf zu ihrem eigenen trostlosen Dasein bietet. Hegemann lässt ihre Protagonistin rückblickend aus einer erwachsenen Perspektive erzählen. Es habe sie interessiert, was aus einem jungen Menschen wird, der in einer gänzlich unberechenbaren Umgebung aufwächst und der nach außen immer so tun muss, als ob alles in Ordnung sei. An die Schmerzgrenze geht das, was die junge Charlie im Zusammenleben mit ihrer Mutter erleiden muss.

Hegemann erzählt nahbar und brutal

Zur bedrohlichen Stimmung des dystopisch gefärbten Werkes kommen die wie nebenbei einfließenden ökologischen Katastrophen. Hegemann erzählt nahbar und brutal. Ihre Sprache ist hart und direkt (wie ihre Hauptfigur) und dazu passt auch Hegemanns direkte und ein bisschen rotzige Art zu lesen.

Man gewinnt manchmal den Eindruck, dass sie gar nicht so gern über das Buch redet, auch wenn Kid ihr immer wieder Deutungen und nicht uninteressante Überleitungen anbietet. Als Kid sie beispielsweise fragt, wie sie sich die Psychogramme ihrer Figuren erarbeite, sich in die Persönlichkeiten ihrer Figuren denke, antwortet Hegemann lapidar: „Es ist wie mit Kleidung: Man zieht was an, Leute verstehen was darunter.“

Das ist irgendwie erfrischend und gleichzeitig ziemlich unergiebig. Genauso wie Hegemanns Kommentar, dass sie keinen kenne, der irgendwie klar komme. Oder ob das in Göttingen anders sei? Man weiß es nicht, man weiß vieles nicht nach diesem Gespräch, dessen Sätze oft ins Leere oder Nichtssagende verlaufen.

Ein lesenswerter Roman

Doch vielleicht eines: So wie ihr Debüt das allgemeine Verständnis von Intertextualität und Plagiat verändert hat, so ändert Hegemann vielleicht auch mit ihrer oft wortkargen und wenig auskunftsfreudigen Art das Verständnis davon wie eine erfolgreiche Autorin zu sein und sich zu präsentieren hat. „Bungalow“ bleibt auf jeden Fall ein lesenswerter Roman. Quellenangaben gibt es dieses Mal auch.

Von Marie Varela

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