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Regional Kürzlich verstorbene Künstlerin: Das Schöne und das Schreckliche
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17:05 28.07.2019
Madonna und Macherin: Sarah Schumann lieferte eine neue Sichtweise der Jungfrau Maria. Quelle: LKNW
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Göttingen

Sie hat die Ausstellung noch selbst konzipiert: Unter dem Titel „Die zerstörte japanische Botschaft und andere Malereien, Collagen und Zeichnungen“ stellt das Künstlerhaus Göttingen Werke der Malerin Sarah Schumann aus.

Die Ausstellung der am 3. Juli verstorbenen Malerin ist die letzte, die sie noch selbst gestaltet hat und sie wird in Göttingen von einer Weggefährtin eröffnet: Am Sonntag, 11. August, soll die Eröffnung im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, in der Oberen Galerie um 11.30 Uhr mit einer Begrüßung der Besucher durch die Göttinger Künstlerin Christel Irmscher beginnen.

1983 stellte Schumann im Apex in Göttingen, Burgstraße 46, aus. Diese Ausstellung war nach Angaben von Irmscher der Startpunkt ihrer Freundschaft. „Damals haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Zur Ausstellung werden viele Freunde von Sarah Schumann kommen, die sich an sie erinnern wollen.“ Einen Tag nach der Eröffnung, am Montag, 12. August, wäre Schumann 86 Jahre alt geworden.

Schumann selbst in Bild und Ton

Die Künstlerin gilt, so Pola Pretzsch aus dem Team der Kunstvermittlung des Künstlerhauses Göttingen, als eine der wichtigsten Vertreterinnen der Nachkriegsmoderne und setzt sich in ihren figurativen Arbeiten mit den Begriffen „Schrecken und Schönheit“ auseinander. Sind Schumanns anfängliche Werke durch die Stilrichtung des Surrealismus geprägt, entwickelt sie später eine individuelle Bildsprache aus Collagen und Malereien, die oftmals Landschaften und Porträts zeigen. Irmscher zufolge hat Schumann immer wieder neue Techniken und Praktiken ausprobiert. Am liebsten habe sie für sich alleine gearbeitet.

Filmisch wurde Schumanns Schaffen von Harun Farocki verewigt und literarisch von ihrer Lebensgefährtin Silvia Bovenschen („Sarahs Gesetz“). FarockisSarah Schumann malt ein Bild“ soll während der Ausstellung gezeigt werden. Außerdem soll der Film „Sanssouci – Der Widerschein einer Erscheinung“ von Lone Thau und Sarah Schumann selbst sowie „Suspense“ von Clara Gervais und Annette Storr zu sehen sein.

Bettina Böttinger, Fernsehmoderatorin beim WDR, hatte Schumann als Letzte interviewt. Die Moderatorin sagt über Schumann, sie sei eine Verfechterin des Feminismus und der weiblichen Ästhetik gewesen.

Vielseitig engagierte Künstlerin

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit zeigte sich Schumann von 1974 bis 1977 als Mitorganisatorin und Kuratorin für die Ausstellung „Künstlerinnen international 1877-1977“ verantwortlich. Bei dieser legendären und von Protesten begleiteten Ausstellung wurden erstmalig in Deutschland bedeutende Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts präsentiert, darunter Paula Modersohn-Becker, Frida Kahlo, Eva Hesse, Maria Lassnig, Mary Bauermeister, Ulrike Rosenbach und Diane Arbus. Im begleitenden Katalog schrieb Schumann einen Text zu Meret Oppenheim.

Das Städel Museum in Frankfurt zählt Sarah Schumann (1933-2019) im Oral History Projekt „Café Deutschland“ zu den 70 wichtigsten Protagonisten der ersten Kunstszene in der Bundesrepublik Deutschland (BRD). „Van Ham Art Estate“ betreut den Nachlass der Nachkriegskünstlerin. Dem Unternehmen nach ist Schumann bekannt für ihre frühen Collagen, Frauenbildnisse und Landschaftsbilder.

Werke von Sarah Schumann finden sich in deutschen und internationalen Privatsammlungen sowie in der Berlinischen Galerie, im Museum Wolfsburg, im Museum Morsbroich in Leverkusen sowie im Museum of Modern Art in New York.

Das Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, ist dienstags bis freitags zwischen 16 und 18 Uhr geöffnet, sonnabends und sonntags zwischen 11 und 16 Uhr. Führungen werden am Sonnabend, 24. August, um 11 Uhr, von Klara Wagner (wenn gewünscht in englischer Sprache) und am Mittwoch, 4. September, um 17 Uhr, von Alexander Leinemann angeboten. Die Ausstellung kann bis Sonntag, 8. September, besichtigt werden.

Auf der Finissage wird ab 11.30 Uhr Andrea Strube, Schauspielerin am Deutschen Theater in Göttingen, aus dem Buch „Sarahs Gesetz“ von Silvia Bovenschen lesen.

Von Lisa Hausmann

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