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Regional „Boat People Projekt“ präsentiert „Mahala Dreams“ in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional „Boat People Projekt“ präsentiert „Mahala Dreams“ in Göttingen
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20:07 26.11.2013
Von Peter Krüger-Lenz
Zentraler Teil des theatralischen Wohnprojektes: Irfan Nezir.
Zentraler Teil des theatralischen Wohnprojektes: Irfan Nezir. Quelle: EF
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Göttingen

Darüber hinaus gehören zum Live-Orchester der Produktion „Mahala Dreams“ der Göttinger Theatermacher „Boat People Projekt“ der gebürtige Ghanaer Mark Kutah und der Rumäne Justin Ciucae. Eine solche Besetzung klingt nach Multikulti, bedeutet jetzt aber etwas ganz anderes.

Nach dem Erlebnis dieses Theaterabends in einem ehemaligen Supermarkt im Cheltenhamhaus in der Friedrichstraße klingt Multikulti ein bisschen kitschig, nach „komm, wir machen mal zusammen Musik“. Das Zusammenleben von Menschen verschiedener Nationen, das in einem funktionierenden Europa an der Tagesordnung ist, sollte von anderem geprägt sein.

An erster Stelle steht hier gegenseitiges Verstehen. Also nicht anbiederndes Verständnis, sondern das Klären von Fragen, das Leben des anderen betreffend. Und das hat viel mit Interesse und Neugier zu tun.

Luise Rist hat das Stück „Mahala Dreams“ geschrieben, ihre Boat-People-Projekt-Kollegin Nina de la Chevallerie führte Regie. Die Grundidee erläutert Aesch­limann während des Spiels: Sie spielten nicht Theater, die Theatermacher hätten sie in ein Wohnprojekt gesteckt. Ein Trio, das auf Zeit zusammen wohnen soll. Und einer von den dreien ist eben Nezir, der Roma.

Fragen, die von Problemen ausgehen

Fortan verhandelt das Trio Fragen, die das Leben der Roma aufwirft – oder die von anderen zum Problem gemacht werden. Das reicht vom Klischee – wer aus Osteuropa kommt, ist Roma, alle Rumänen sind das sowieso – bis hin zu Überlegungen, warum Roma überall, wo sie hinkommen, am Rande der Gesellschaft leben und ob sie sich da nicht auch ganz gut aufgehoben fühlen. Mahala übrigens heißt Nachbarschaft.

Ganz aktuelle Geschehnisse haben Rist und de la Chevallerie verarbeitet. Die Produktion macht einen Abstecher zum Kirchenasyl und erinnert an den Fall der kleinen Maria, die erst entführt worden sein sollte und dann doch nur von ihrer Mutter früh in eine andere Roma-Familie gegeben worden war.

Ein stringent theatralischer Abend ist den Theatermachern nicht gelungen. Aber ein sehr ernsthafter. Das ist schon eine ganze Menge. Und dann ist da ja auch noch das in seiner Schlichtheit wunderschöne Bühnenbild von Sonja Elena Schroeder und die Live-Musik, die ganz freudvoll nach Balkan klingt.

Weitere Vorstellungen: 5., 6., 7., 10., 11., 12., 16., 17. und 18. Dezember um 20 Uhr im Cheltenhamhaus, Friedrichstraße 1a.

Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Jüdenstraße 13c in Göttingen und Auf der Spiegelbrücke 1 in Duderstadt.

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