Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Kultur Theaterwerkstatt zeigt „Eine kleine Chance“
Nachrichten Kultur Theaterwerkstatt zeigt „Eine kleine Chance“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:29 20.09.2018
Katharina Fromm von der Theaterwerkstatt Göttingen spielt „Eine kleine Chance“. Quelle: Opitz
Anzeige
Göttingen

Was tut ein Kind, wenn ein Elternteil in einem Kriegsgebiet vermisst wird? Mit diesem Problem muss sich die Elfjährige Kiki im Buch „Tote Maus für Papas Leben“ von Marjolijn Hof befassen. Ihr Vater ist Arzt und arbeitet für eine Hilfsorganisation. Für diese reist er in Krisengebiete. Kiki hat große Angst davor, dass ihrem Vater etwas passieren könnte. Die Mutter versucht das Mädchen damit zu beruhigen, dass sie kaum Kinder kennt, die ein Elternteil verloren haben. Die „Chance“ dafür, sei also gering, erklärt die Mutter. Ein folgenschwerer Satz, wie sich später herausstellt.

Als Kiki erfährt, dass ihr Vater im Kriegsgebiet vermisst wird, beginnt sich das Mädchen große Sorgen zu machen. Sie kommt auf die Idee, dass sie vielleicht die „Chance“ auf die Rückkehr ihres Vaters erhöhen könnte: Sie kenne einen Mitschüler mit einem toten Vater und mehrere Mitschüler mit toten Haustieren – aber nicht beides. Kiki hofft, dass der Tod eines Haustieres die „Chancen“ ihres Vaters auf Rettung erhöhen würde. So legt sie sich eine Maus zu, die ihr jedoch ans Herz wächst und sie nicht töten kann.

Anzeige

Kiki will Familienhund von der Brücke werfen

Als die Nachrichten aus der Krisenregion, in der ihr Vater vermisst wird, schlechter werden, bekommt die Elfjährige Panik: Sie ist kurz davor, den Familienhund von einer Autobahnbrücke zu werfen, wird aber im letzten Moment von einem Passanten davon abgehalten. Erst dann wird Kikis Mutter klar, wie weit ihre Tochter gegangen wäre, um vermeintlich ihren Vater zu retten. Am Ende kommt der vermisste Vater verletzt aber lebendig nach hause.

Für das Theaterstück hat die Regisseurin, Autorin und Theaterpädagogin Dorothea Derben das 2006 erschienene Kinderbuch an die heutige Zeit angepasst. So kommen moderne Technik vor und Kiki hat eine Freundin, die Verwandte in einem Kriegsgebiet hat und die Protagonistin unterstützt. „Mit dem Theaterstück möchten wir die Angst von Kindern um ihre Eltern anschaulich machen“, sagte Derben. „Die Figur der Kiki soll sowohl für Flüchtlingskinder, als auch Einheimische eine Identifikationsfigur sein.

Erste Gelegenheit, mit Kindern zu arbeiten

Alle Kinder können sich in das Mädchen hineinversetzen. Das baut eine Brücke zwischen beiden Gruppen.“ Das Stück ziele auf Kinder ab zehn Jahren ab. Für Schauspielerin Katharina Fromm ist „Eine kleine Chance“ ihre erste Gelegenheit, mit Kindern zu arbeiten. Fromm spielt alle Rollen selbst. „Die Angst von Kindern um ihre Eltern oder Verwandte ist nicht zu unterschätzen. Man darf sie damit nicht allein lassen“, sagte Fromm.

Das Theaterstück sei auch für den Schulunterricht einsetzbar. Sowohl eine Studio-, als auch eine Klassenzimmer-Aufführung seien möglich, heißt es auf der Internetseite der Theaterwerkstatt. Interessierte können sich unter Telefon 0551/7703785 oder per E-Mail an info@theaterwerkstatt-goettingen.de an die Theaterwerkstatt, Am Feuerschanzengraben 20 in Göttingen wenden.

Von Max Brasch