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Domfestspiele Gandersheimer Domfestspiele: „Wie es euch gefällt“ aufgepeppt
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14:24 26.06.2015
Überfällt aus Hunger die nette Grillgesellschaft des Herzogs (Gunter Heun, 2.v.r.): Orlando (Moritz Fleiter, rechts). Der Herzog, seine Bedienstete (Dominika Szymanska) und Philosoph Jaques (Sebastian Strehler) sind entsetzt angesichts solcher Manieren.
Überfällt aus Hunger die nette Grillgesellschaft des Herzogs (Gunter Heun, 2.v.r.): Orlando (Moritz Fleiter, rechts). Der Herzog, seine Bedienstete (Dominika Szymanska) und Philosoph Jaques (Sebastian Strehler) sind entsetzt angesichts solcher Manieren. Quelle: Hillebrecht/Die Foto-Maus
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Bad Gandersheim

„Verdammt noch mal“, schimpft endlich Silvius und bringt damit doch noch Phöbe an seine Seite. Und so wie in der Silvius-Rolle dem Schauspieler Silvio Römer der Kragen platzt, geht es auch dem Spiel im Ardenner Wald: Dort ließ William Shakespeare schon vor 400 Jahren sein Spiel  um Freiheit und Freundschaft, Liebe und Sex, Intrige und Feindschaft passieren für Schauspieler, die dies ebenso plakativ wie feinsinnig verkörpern. Das erfordert auch heute, wenn auch mit den Worten der zeitgemäßen Übersetzung von Frank Günther, viel Einfühlungsvermögen in die Charaktere.

 

Allen voran Julia Friede als Rosalinde zeigt eine beeindruckende Wandlungsfähigkeit. Ist doch Rosalinde in der Trauer um den Vater ein trauriges, stilles Mädchen, das plötzlich aufblüht. In Orlando (Moritz Fleiter als zorniger Bruder und zartfühlender Lover) verliebt sich Rosalinde. Das Spiel nimmt spannend seinen Lauf mit der Verbannung der jungen Frau in den Ardenner Wald durch Herzog Frederick. Dass auch seine Tochter Celia (trotzig und temperamentvoll: Alice Hanimyan) die Koffer packt, um die Flucht mit Kusine Rosalinde in die Freiheit anzutreten, hat der Despot nicht kalkuliert. 

 

Schalk im Nacken

 

Und auf der anderen Seite muss sich Rosalindes Vater, der verbannte Herzog, den Wald schönreden: leckt den Boden, bedrängt das Holz, kopiert den Hirsch - eine witzige Übertreibung, die Gunter Heun mit der kindlichen Freude eines alten Mannes darstellt. Dass er dabei auf Krücken angewiesen ist, passt ins Bild, hat aber nichts mit der Rolle, sondern mit einer Verletzung zu tun.

 

Wie Heun sind die meisten Schauspieler dieser Inszenierung gute Bekannte fürs Gandersheimer Publikum. So auch Christine Dorner: In „Wie es euch gefällt“ hat sie als Närrin Probstein den Schalk im Nacken. Und vergehen die Jungen in Liebe, legt es die alte Dame auf schnellen Sex mit dem jungen Schäfer an. Das alles auf schlichter Bühne mit wenigen, aber aussagekräftigen Requisiten von Cornelia Brey und Kostümen von Irène Roth Kradolfer.

 

Intendant Doll hat als Regisseur auf 14 Figuren, gespielt von zwölf Schauspielern, gesetzt. In der Premierenvorstellung hatte in deren Spiel manches noch eine gewisse Zähigkeit, die nicht von Dauer bleiben sollte. Dass die Szenen immer wieder von Hintergrundmusik, wie in Bars oder Kaufhäusern zu hören, unterlegt sind, betont manch gute Schauspielsequenz nicht. Shakespeares Versen ist Doll mit Streichungen und Aktualität begegnet: Da gibt es den Appell an die Regeln der Demokratie, den Fluch der Globalisierung und als Handy-Klingelton den „Mistkerl-Fluch“ von Orlandos Bruder. Doll peppt das Rollen- und Verwirrspiel, das „Wie es euch gefällt“ seit jeher prägt, auf mit Geschlechterdiskussionen und Zeitgeistmacken. Das gefällt.  

 

Weitere Vorstellungen von "Wie es euch gefällt" bei den 57. Gandersheimer Domfestspielen um 20 Uhr am 27. Juni, 9., 12., 15., 22., 26., 31. Juli, 7. und 15. August; am 30. Juni auch um 10 Uhr.