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Händel-Festspiele 2013 Händel-Festspiele Göttingen: Regisseur Paul Curran inszeniert „Faramondo“
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19:25 27.05.2014
„I want 100 percent concentration“: Regisseur Paul Curran arbeitet professionell. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Mit einem Racheschwur beginnt die Oper: Gustavo will Faramondo ums Leben bringen, da dieser, wie er meint, seinen Sohn Sveno im Kampf getötet hat.

Ja, er setzt sogar noch einen Preis aus: Wer ihm das abgeschlagene Haupt Faramondos bringt, soll zum Lohn seine Tochter Rosimonda zur Frau bekommen. Immer wieder geht es im weiteren Verlauf der Oper um Mord und Totschlag, aber auch um Liebe und am Ende um Milde, um das Verzeihen. Und, o Wunder, ausgerechnet Faramondo darf Rosimonda heiraten.

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In etwa sechs Wochen hat Georg Friedrich Händel seine Oper „Faramondo“ komponiert, Ende 1737, den Schlussakkord genau zu Heiligabend. Knapp 277 Jahre später kommt sie in Göttingen erstmals auf die Bühne.

Regie füht ein Schotte

Regie führt der aus Schottland stammende Paul Curran, ein erfahrener Opernregisseur, der erste Händel-Erfahrungen mit „Imeneo“  beim London Handel Festival 2013 sammelte. Für ihn sind Händels Opern eine besondere Herausforderung. Denn es gab, so Curran, „viele Verbote“ durch die Zensoren.

Was ein Bühnenstück aussagen wollte, durfte nicht auf direktem Wege geschehen, sondern war nur auf dem Umweg über Mythologie oder antike Stoffe möglich. „Die Handlung ist überall Fantasie, es gibt keine Wahrheit.“ Besonders hebt er hervor und verfällt dabei in seine Muttersprache: „Handel is not real life“.  

Die Hauptthemen, um die es in Händels Opern gehe, seien drei Dinge: „Religion, Politik und Sex“. Religion sei dabei ganz allgemein gemeint, etwa im Sinne von Regeln fürs Leben – nicht etwa um Unterschiede zwischen dem Christentum und anderen Religionen.

„Ein sehr moderner Mensch“

Auch auf dem Felde der Politik seien keine Ideologien gefragt, keine Ismen, sondern das System, in dem wir leben. Der Titelheld Faramondo sei „ein sehr moderner Mensch“: auf der einen Seite „so hart wie alle anderen“, auf der anderen Seite befreie er am Ende die in Ränke Verstrickten. Curran: „Bei ihm ist ein großer Humanismus.“

Auf der Bühne im Deutschen Theater kümmert sich Curran – ziemlich genau ein Kopf kleiner als der Durchschnitt seiner Akteure – um die richtigen Positionen der Darsteller, um die Aktionen der Statisten („I want 100 percent concentration“).

Rote Wände bilden den Bühnenhintergrund (Bühnenbild: Gary McCann), eine Tapetentür deutet an, dass man hier unauffällig Menschen verschwinden lassen kann. Es gibt also in diesem Drama um Gewalt und politische Konflikte kein barockes Umfeld, keine Krinolinen und rauschenden Roben.

Denn auch musikalisch sei Händel „kein old fashioned Komponist“, wie Curran betont. Besonders im dritten Teil der Oper seien die Arien „wie Jazz“.

Premiere ist am Sonnabend, 31. Mai, um 18 Uhr im Deutschen Theater, Theaterplatz 11 (Rundfunk-Direktübertragung auf NDR Kultur). Weitere Vorstellungen am 2. Juni um 15 Uhr, am 3., 5. und 10. Juni um 19 Uhr sowie am 8. Juni um 15 Uhr. Karten gibt es beim Tageblatt-Ticketservice in Göttingen, Jüdenstraße 13c, und in Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11.