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Händel-Festspiele 2017 Festlicher Glanz und tänzerische Rhythmen
Nachrichten Kultur Themen Händel-Festspiele Händel-Festspiele 2017 Festlicher Glanz und tänzerische Rhythmen
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16:33 25.05.2017
Von Michael Schäfer
Spielen in familiärem Rahmen: Trompeter David Staff und Organistin Ryoko Morooka. Quelle: Michael Schäfer
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Scharzfeld

Viele der aus Göttingen angereisten Konzertbesucher waren noch nie in dieser Kirche gewesen: ein 1855 eingeweihter neuromanischer Bau mit einer Orgel des Herzberger Orgelbauers Johann Andreas Engelhardt. Zwei Manuale und ein Pedal besitzt dieses ansehnliche Instrument mit seinen 20 Registern.

Zu Gast waren der englische Trompeter David Staff, Mitglied des Festspielorchesters Göttingen, und die aus Japan stammende, in Hannover wirkende Organistin Ryoko Morooka, mit der er bereits seit vielen Jahren musiziert. Sie hatten ein sehr abwechslungsreiches Programm mitgebracht, das mit einigen Orgelsoli dem Trompeter auch ein wenig Zeit zum Verschnaufen bot.

Händels D-Dur-Ouvertüre HWV 341 stand am Anfang, im Original ein Orchesterstück mit solistischer Trompete. Die Musik mit ihrem festlichen Glanz und den tänzerischen Rhythmen versetzte die etwa 80 Zuhörer in eine gelöst-fröhliche Stimmung, zu der auch das anschließende Orgelstück „The Power of Music“ des englischen Komponisten John Stanley, eines Freundes von Händel, viel beitrug.

Geradezu exotisch war die Suite aus Jean-Philippe Rameaus 1735 uraufgeführter Ballettoper „Les Indes galantes“. Schön, dass Staff in bestem Englisch – perfekt deutsch gedolmetscht von seiner japanischen Partnerin – die ungewöhnlich weiträumig angesiedelte Handlung eingangs kurz umriss: Der erste Akt der Oper spielt in der Türkei, der zweite bei den Inkas in Peru. Eine Eifersuchtsgeschichte, die in Persien spielt bildet den dritten Akt, um im finalen vierten Akt zu den nordamerikanischen Indianern zu führen, die hier als „Les Sauvages“ (Die Wilden) bezeichnet sind. Eine stilistisch kunterbunte Musik, von Staff und Morooka mit rhythmischer Spannung und viel Witz vorgetragen.

In der zweiten Hälfte des kurzweiligen Abends bewies Morooka in Johann Sebastian Bachs Sarabande con partita BWV 990 und vor allem in dem glänzend virtuos gespielten Werk seines Schülers und Freundes Johann Ludwig Krebs (Präludium und Fuge C-Dur), wie genau sie sich mit den klangfarblichen Möglichkeiten dieser Hildebrandt-Orgel auseinandergesetzt hatte. Staff steuerte mit Händels g-Moll-Konzert HWV 287 (original für Oboe) und Giuseppe Tartinis D-Dur-Concerto noch einmal besonders strahlende Klänge bei. Begeisterter Applaus, zwei Zugaben.

Die Scharzfelder St.-Thomas-Kirche im Porträt des NDR