Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hart am Wind „Du bist kein Feigling, aber auch kein Held“
Nachrichten Kultur Themen Hart am Wind „Du bist kein Feigling, aber auch kein Held“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Umgang mit Ur-Konflikten: Das Stück „Demian“. Quelle: Isabelle Rios
Anzeige

„Du bist kein Feigling, aber auch kein Held.“ Dies sagt Demian zu Emil und beschreibt damit die Hauptperson ziemlich gut. Zugleich lässt das Zitat erahnen, um was es in dem Stück „Demian“ von Hermann Hesse geht: Ein Konflikt zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Seiten, den Emil Sinclair mit sich austrägt. Wie überbrückt man die Kluft zwischen richtig und falsch, gut und böse, Gott und Teufel, Sünde und Nicht-Sünde?

Das Stück „Demian“ zeigt, wie Emil mit diesem Ur-Konflikt umgeht und begleitet ihn durch seine Kindheit und Jugend, die sowohl eindrucksvoll als auch verwirrend ist. Denn: „Ich [Emil] bin im Streit mit der Welt.“

Es gibt nicht nur eine Seite

Lena Bolz

„Demian“ wird aus der Perspektive der Hauptperson, Emil Sinclair, erzählt. Dieser ist Teil einer Familienidylle, die aus ihm, seiner Schwester, seiner Mutter und seinem Vater besteht. Alle sind stark religiös, alles ist perfekt in ihrer Familie.

Doch Emil weiß, dass es noch eine andere Welt gibt. Eine dunklere und düstere; das Gegenteil von seiner. Sie ist verlockend und verführerisch – auch für Emil. Deswegen erfindet er eine Geschichte von einem Diebstahl, den er angeblich begangen hat, und schwört gegenüber dem unheimlichen Franz Kromer, das diese wahr sei.

Kromer beginnt ihn zu erpressen und Emil findet keinen Ausweg aus dieser Affäre. So gerät er immer mehr in die Fänge der finsteren anderen Welt: Er beginnt, Geld von seinen Eltern zu klauen und wird von Albträumen und Angstzuständen geplagt. Seine ehemals heile Welt ähnelt immer mehr einem Scherbenhaufen.

Aber dann taucht der fremde Demian in seiner Klasse auf und tritt abrupt in Emils Leben. Durch ihn fängt Emil an, anders zu denken. Zu wagen, sich anders zu benehmen.

Das ist aber erst der Anfang der Geschichte von Emil Sinclair und Demian, der Emils Wege immer wieder kreuzt und ihm einen Umgang mit seiner Zerrissenheit ermöglicht. Es ist der Anfang einer Reise durch verschiedene Erfahrungen, Erlebnisse und Auffassungen. Eine Reise, in der man über sich selbst und die Gesellschaft nachdenkt.

Verwirrend, zum Nachdenken anregend und mit einer Prise Humor

Aufgeführt wird das Stück vom Jungen Staatstheater aus Oldenburg; als Vorlage diente die Erzählung „Demian – die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend“, die 1919 von Hermann Hesse veröffentlicht wurde.

Ansprechend gestaltete Charaktere ziehen sich durch die gesamten 90 Minuten; sie regen einen zum Nachdenken über sich und die Gesellschaft an, bringen einen zum Lachen. Nur verwirren sie einen auch, durch viele Dialoge und Monologe, die zudem häufig zu lang sind, um ihnen längere Zeit zu folgen und dabei gleichzeitig noch nachdenken zu können. Daher ist es fraglich, ob die angegebene Altersgruppe – 14+ - richtig angesetzt ist.

Weiterhin ist des öfteren nicht ganz klar, an welchem Ort man sich gerade befindet und wie alt Emil gerade ist. Hinzu kommt, dass der Inhalt mancher Gespräche zu unklar und schwer nachzuvollziehen ist, manche Passagen zu verwirrend sind, wie Emils Liebe zu dem Bild.

Das Bühnenbild jedoch ist kreativ und interessant gestaltet, sowie gleichzeitig sehr wandelbar. Unterlegt wird „Demian“ mit passenden musikalischen Einsätzen, die die entsprechenden Szenen untermalen. An der Leistung der Schauspieler ist nichts auszusetzen, sie füllen ihre Rollen wunderbar aus und schaffen durch häufiges Spiel am vorderen Bühnenrand eine Nähe zum Publikum.

Daher ist „Demian“ trotz allem ein Stück, das man sich ruhig anschauen sollte. Man sollte dabei vielleicht nur möglichst einen freien Kopf haben, um gut aufpassen zu können oder sich vorher den Orginaltext von Hesse zu Gemüte führen.

Von Lena Bolz