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Hart am Wind Im Theater über die Grenzen gehen
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21:55 06.05.2012
Scene aus „BISSwert“ einem Wiener Klassenzimmertheater. Quelle: EF
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Wie bist du zu dem Theater gekommen?

Zu der Theaterwerkstatt oder zum Theater allgemein?

Zum Theater ganz allgemein.

Allgemein, das ist ein bisschen schwierig! Also, ich komme aus Schwaben und in Schwaben lernt man keinen künstlerischen Beruf, eigentlich. Deshalb habe ich auch nicht erwartet, dass ich das machen kann, sondern habe immer überlegt, was ich sonst noch machen könnte, Krankenschwester oder so. Das hat alles nicht gepasst und dann hab ich so ganz blöde (sie lacht) Berufsorientierungsseminare mitgemacht, und da kam eben immer Schauspiel raus. Und das wollte ich erst gar nicht glauben – weil ich hab zwar schon gerne gesungen und getanzt habe und das alles, aber ans Schauspielern hatte ich nicht gedacht. Ja, und dann habe ich das probiert und bin auch in der Schauspielschule Kassel genommen worden und dann hab ich gewusst: Da bin ich richtig, das ist genau das, was ich jetzt machen muss! Deswegen bin ich auch dabei geblieben.

Was wolltest du als Allererstes werden, was war dein Kindheitstraumberuf?

Oh Gott ist das lange her! (sie lacht wieder) Als Allererstes wollte ich Lehrerin werden, ja, ich war gerne in der Schule. Also in der Grundschule war ich sehr gerne, im Gymnasium dann nicht mehr, aber in der Grundschule schon. Ich hatte tolle Lehrer – und dann wollte ich das auch werden.

Hast du das gefunden, was du beim Theater finden wolltest? Und was war das?

Das ist ganz schön knifflig! Ja... Das ist schwer! Das Ding ist, dass man beim Theater so viel finden kann, und man kann so viel auch über sich selbst raus finden und ich habe schon sehr, sehr viel gefunden, aber noch lange nicht alles. Umso mehr ich spiele, umso mehr merke ich, dass ich noch viel mehr spielen muss und lernen muss und machen muss und sein muss und in ganz vielen Theatern sein möchte und auf ganz vielen Bühnen stehen möchte!

Und welches war das erste Stück, das du gespielt hast?

Das war noch ganz viel früher! Da war ich in der vierten Klasse und wir haben Rumpelstilzchen gespielt mit der Jugendkantorei der Stadtkirche und haben eben auch dazu gesungen. Und ich war Rumpelstilzchen! Ja, das war meine Lieblingsrolle! (ein Lachen der wohligen Erinnerung von ihrer Seite)

Nun zu BISSwert, wie kamst du denn zu diesem Stück?

Die Theaterwerkstatt Göttingen hat auch in der Schauspielschule Kassel ausgehängt, dass sie Schauspieler suchen und ich hatte erst mal gar keine Ahnung, was das ist. Als ich zur Schule ging, gab es noch kein Klassenzimmertheater, und so habe ich diese Art des Theaters gar nicht gekannt, aber ich fand das sehr spannend. Also ich glaube, ich als Schüler hätte das gerne gesehen! Und dann war ich beim Vorsprechen, das war mein erstes Vorsprechen nach der Schule, und ich glaube, das war das schönste erste Vorsprechen, das man haben kann! Weil die beiden so herzlich waren, so nett und liebevoll, dass ich mich sofort wohl gefühlt habe. Da habe ich auch einen Teil von dem  Stück vorlesen müssen, wir haben eine Leseprobe gemacht, und das war einfach so der Hammer, das hat mich umgehauen. Ich fand das total toll! Ich meine, ich kann einen Vampir spielen, wie cool ist das denn?! (sie lacht und ein leichtes Blitzen stiehlt sich in ihre Augen)

Was gefällt dir denn am besten am Theaterspielen?

Ich glaube, dass ich alles sein darf und machen darf. Also, ich bin ja als Person so eher ein bisschen schüchtern, ein bisschen zurückhaltender, und im Theater kann man über die Grenzen gehen, man kann, ja, man kann alles raus lassen und irgendwie Abenteuer erleben. Eine andere Person sein, sich verkleiden und ausprobieren – alles, was man so im normalen Leben gar nicht machen kann und darf. Das darf man dann einfach mal sein!

Und was macht dir am wenigsten Spaß?

Am wenigsten... Spaß macht... mir... Bewerbungen schreiben. Glaube ich! Ja, ich glaube...  Also es kommt drauf an, wenn man jetzt zum Beispiel freies Theater macht, also seine eigenen Stücke macht, sich selber verkauft – da finde ich eben sehr ätzend, dass man alles machen muss, dass man selber Werbung machen muss, selber verkaufen muss, telefonieren muss, hinterherrennen muss, hinfahren muss, sonst was alles. Das gibt es im festen Engagement nicht. Das ist eben ein bisschen schade. Man ist selten lange an einem Ort, man ist ja immer irgendwie ein paar Jahre hier, ein paar Jahre da und dann muss man immer wieder neu anfangen und sich immer wieder bewerben, ja, ich glaube, das Bewerben nervt mich am Meisten!

Jetzt hast du gerade ein Einpersonen-Stück gespielt, aber du spielst auch mit anderen Personen zusammen Stücke?

Ja, also ich war jetzt ein halbes Jahr in Bremen, habe da in zwei Produktionen gespielt, und da hatten wir ein großes Ensemble von ich glaube siebzehn Leuten. Dann bin ich jetzt im Mai in Kassel und spiele mit bei verschiedenen Sachen. Das ist jetzt das erste Mal gewesen, dass ich ein Solostück mache, und ich bin dann auch immer froh, wenn ich wieder andere Leute um mich herum habe, dann ist man immer so ein bisschen beruhigter, wenn man jemand hat, den man ansprechen kann.

Was fällt dir denn am leichtesten beim Theaterspielen?

Am leichtesten...  Du hast Fragen! Ich glaube lachen. Also, ganz viele Leute können schnell traurig werden und rumheulen auf der Bühne, das fällt mir ganz schwer, diese Traurigkeit zu zeigen, aber ich kann unglaublich gut lachen und unglaublich laut und schräg lachen. Das konnte ich schon immer (ein weiteres Mal beginnt sie zu lachen und überzeugt mich dadurch von ihren gerade zu professionellen Künsten). Das fällt mir sehr leicht, ja.

Und das Weinen ist am schwierigsten oder was ist das Schwerste?

Ach so, oh Gott! Ja... Das Schwierigste ist... Was ist das Schwierigste? Kommt auch irgendwie immer auf die Rolle drauf an, also ich habe einmal einen Mann gespielt und der war so steif, so ein Anwaltstyp, der war ziemlich schwierig. Und dann war es halt auch ein Mann, und man wollte kein Klischee spielen. Es kommt eben immer auf die Rolle an. Bei Anna ist das Schwierige einfach immer alleine zu sein. Ja, je nach dem eben.

Und nun die letzte Frage: Worauf kommt es denn für dich bei einem richtig guten Schauspieler an?

Ich glaube Leidenschaft! (sie klingt gar nicht nach „glauben“ sondern nach ganz genauem Wissen und Entschlossenheit) Man sollte niemals Schauspieler werden, um Geld zu verdienen! Oder wenn man berühmt werden will oder, oder angesehen. Irgendwie in der Zeitung stehen will, so was, so was ist Schwachsinn. Entweder man liebt es und macht es gern oder man lässt es.

Du stehst jetzt aber in der Zeitung!

(Sie lacht) Oh Gott oh Gott!

Gut, dann danke für das nette und interessante Interview!

Gern Geschehen! Tschüss!