Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hart am Wind Schüler untersuchen eigene Vorurteile
Nachrichten Kultur Themen Hart am Wind Schüler untersuchen eigene Vorurteile
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:35 05.05.2012
 Bei einer Podiumsdiskussion: Claus Schlegel (r.). Quelle: Opitz
Anzeige

Michael Soller: Hallo, ich bin von der Jugendredaktion des Deutschen Theaters in Göttingen. Mein Name ist Michael Soller und ich interviewe heute den Spielleiter und Lehrer des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Göttingen, Claus Schlegel, der heute an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Theater und Schule“ teilnimmt.

M.S.: Herr Schlegel, Sie haben ja schon als Regisseur (Spielleiter) bei den Schultheatertagen 2010/2011 Stücke hier am DT inszeniert, was haben Sie zurzeit für Theaterprojekte?

Claus Schlegel: Ich muss erst einmal eine ganz kleine Korrektur einbringen, denn das Wort „Regisseur“ hören wir nicht so gerne – wir sind Spielleiter, unser Aufgabenbereich unterscheidet sich von dem eines Regisseurs im professionellen Theater. Der Spielleiter ist ja sozusagen einer, der guckt, was die Schüler für Ideen haben und wie man diese mit seinem Wissen umsetzen kann. Das ist ein Unterschied der in meiner Arbeit zentral ist. Im Moment haben wir zwei Oberstufenkurse. Ich mache so etwa zwei Aufführungen pro Jahr – das ist aber auch sehr anstrengend, wird aber durch die Kollegen der Schule entlastet. Das eine Stück ist über die Obsession, das andere hat Ende Juni bei den Braunschweiger Schultheaterwochen Premiere und heißt „Es wird angeschaut was auf die Bühne kommt“ – es hat mit dem Thema Essen zu tun.

M.S.: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, letztes Jahr das Stück „Aber das ist doch nur ein Klischee“ hier am DT zu inszenieren?

Claus Schlegel: Meine Schüler hatten die Idee, etwas über Klischees zu machen. Klischees umgeben uns ja ständig und wir wissen nicht immer genau, wo die Gratwanderung ist zwischen dem, was wir voll nehmen dürfen, welche Vorurteile wir haben und welche Klischees wir berühren. So haben sich meine Schüler auf die Suche begeben nach eigenen Vorurteilen – und dabei ist dann das Stück entstanden. Es geht um Vorurteile über Länder und bestimmte Gruppierungen der Gesellschaft.

M.S.: Sie inszenieren meistens Stücke mit Tiefgang, wo man über das Gesehene noch lange nachdenkt. Was reizt Sie an solchen Stücken?

Claus Schlegel: Wir haben ein festes Motto für unsere Theater-Arbeit: „Überlass die Botschaft dem Zuschauer“ - das heißt, wir formulieren also keine Botschaften, sondern der Zuschauer selbst soll mit dem Stück befragt werden oder sich selbst befragen wenn er Lust dazu hat. Und er soll eher Mühe mit dem Stück haben, als dass wir ihm einfache Antworten servieren.

M.S.: Wie gefällt ihnen das Theaterfestival Hart am Wind?

Claus Schlegel: Das Theaterfestival ist außerordentlich gut, alles was ich bis jetzt gesehen habe, hat eine hohe Klasse, und man lernt viel dazu. Ich habe meine Schüler inständig gebeten, so viel wie möglich anzuschauen.

M.S.: Sie nehmen heute an der Diskussionsveranstaltung  zur Weiterentwicklung von Theater und Schule teil. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit von Theater und Schule? Was könnte noch verbessert werden? 

Claus Schlegel: Da gibt es viel zu verbessern. Die Theater machen zwar Angebote an Schulen, aber diese Angebote sind sehr vereinzelt. Zum Beispiel können Schüler für ein paar Stunden eine Produktion begleiten; Unterricht des Darstellenden Spiels besuchen, in dem den Schülern ein paar Tipps gegeben werden (was wir aber nicht in Göttingen haben); und es besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen freien Theatergruppen, dem Deutschen Theater Göttingen oder dem Jungen Theater Göttingen und mit den Schulen selbst. Das ist vertraglich geregelt und damit über einen langen Zeitraum von Bestand, d.h. was sporadisch immer wiederkommt. Sowas hilft und ich hoffe heute, dass wir darüber reden werden, wie man solche Angebote verstärken kann.

M.S.: Ich danke Ihnen für das Interview.