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Rock am Kauf Park Drei Bands auf hohem Niveau
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20:11 27.04.2012
Von Peter Krüger-Lenz
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Göttingen

Oder drehte ab. Nur ein leichter Sprühregen streifte schließlich das Gelände vor dem Einkaufszentrum Kaufpark in Grone. Deswegen war die Freude bei den Siegern des Wettbewerbs und den laut Schätzungen des Kaufparkmanagements rund 4500 Besuchern umso ungetrübter, als die Jury kurz nach 23 Uhr das Ergebnis des Contests verkündete. „Peanut Gallery“ hatte gewonnen, eindeutig, fraglos und strahlend.

 Was die Band um Sängerin Maria Koch und ihren Bruder Benjamin bei ihrem ersten (!) Auftritt lieferte, war schlicht sensationell. Erst Anfang 2011 hat sich das Quintett zusammengefunden, seitdem eher rar geprobt. Deswegen verfügt „Peanut Gallery“ bislang über ein überschaubares Repertoire von Liedern, das knapp für den Wettbewerb ausreichte. Bei der umjubelten Zugabe nach der Verkündung ihres Sieges musste die Band schließlich auf ein Stück zurückgreifen, das sie bereits vorher gespielt hatte. Macht nichts. Die Party war durch nichts zu bremsen. Die Jury hatten die Musiker, die ihren Stammsitz in Einbeck hat – die Geschwister Koch leben inzwischen in Hamburg – mit ihrer Mischung aus leichtem Sommerpop und dann wieder knallharten Riffs überzeugt.

 Doch den größten Unterschied machte wohl Sängerin Maria aus. Ein energiegeladenes Kraftpaket mit starker Stimme, viel Bühnenpräsenz und einem direkten Draht zum Publikum. Schön auch, dass die Texte der Lieder sich angenehm vom üblichen Standardbrei abheben. Und wer „Peanut Gallery“ (übersetzt: die billigen Plätze) (noch) einmal erleben möchte, kann dies gleich am kommenden Wochenende in die Tat umsetzen. Teil des Preises ist nämlich neben einem Profi-Aufnahmetag in den Peppermint Park Studios ein Auftritt beim Festival im Kaiser-Wilhelm-Park im Göttinger Stadtwald am Sonnabend, 20. August – vor der legendären DDR-Rockband „Karat“.

 Platz zwei belegte „David Cash“, benannt in einer bierseligen Nacht, in der Musik von Johnny Cash aus den Boxen quoll und Geschichten über David Hasselhoff ausgetauscht wurden. Die Band war, vom Los bestimmt, der Opener des Abends. Eine undankbare Aufgabe. Die Musiker schlugen sich nach anfänglichem Holpern wacker und schafften es auch mit ihrem Indierock die zahlreichen Besucher, die sich erstaunlich früh vor der großen Bühne versammelt hatten, einzufangen. Und im Vergleich zu den Probenraumversionen ihrer Lieder hatten sie laut einem Ohrenzeugen noch zwei oder drei Härtegrade auf ihre Musik draufgepackt.

 Dritter wurden die „Salacious’ Monkeys“, die sich wie die beiden anderen Bands im Vorfeld gegen 14 Bewerber durchgesetzt hatten. „Wir wollen musikalisch unangepasst sein“, hatten sie vor wenigen Wochen im Probenraum erzählt, das mag ihnen jetzt zum Verhängnis geworden sein. Alle vier sind feine Musiker, alle vier bringen ihre eigenen musikalischen Ideen, aber auch Stile ein. Das macht ihre Musik unberechenbar und verwischt die Konturen. Ein schöner Auftritt war’s dennoch, den die „Salacious’ Monkeys“ hinlegten. Ihr Pech und auch das von „David Cash“: Sie mussten gegen „Peanut Gallery“ antreten. Vielleicht noch nie seit Beginn von „Rock am Kaufpark“ im Jahr 2003 waren alle Teilnehmer auf solch hohem Niveau.

 Während der Umbaupausen unterhielten Tänzer der „Hiphop Dance Academy“ um Daniel Decavele und Mario Saldaña die Besucher mit temporeichen und ausgeklügelten Choreografien. Dass in dieser Tanzschule weltmeisterliche Ensembles und Einzeltänzer ausgebildet werden, war deutlich zu sehen.
 Professionell war schließlich auch der Auftritt der Göttinger Band „Alpha Academy“, die sich als Vorband und inzwischen auch als Festival-Act einen Namen wegen ihrer energiegeladenen und immer nach vorne drängenden Rockshows gemacht hat. Spaß hatte das Quartett offensichtlich, so viel Spaß, dass sich Bassist Sebastian Hunger zum abschließenden Jubelauftritt der Gewinner „Peanut Gallery“ fröhlich in einem Einkaufswagen über die Bühne schieben ließ. Ein mehr als gelungenes Festival.