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Rock am Kauf Park Porträt: Rapper Moritz Demuth aus Göttingen
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21:36 04.08.2013
Noch völlig entspannt vor seinem großen Auftritt bei Rock am Kaufpark: der Rapper Moritz Demuth.
Noch völlig entspannt vor seinem großen Auftritt bei Rock am Kaufpark: der Rapper Moritz Demuth. Quelle: Kilburger
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Göttingen

Breakdance statt Pogen, Rappen statt Shouten, Scratchen statt Gitarrenriffs: Die Kultur der Hip-Hopper unterscheidet sich von denen der Rockmusiker. In ersterer fühlt sich der 18-jährige Moritz Demuth schon seit der achten Klasse musikalisch zu Hause.

Damals stand eine Hausarbeit über etwas fächerübergreifend Praktisches an. Inspiriert von dem Freund seiner Schwester und der Musik von „Curse“ und „Freundeskreis“ wagte er sich an seinen ersten Rap-Song. Den konnte er nach Abschluss der Arbeit auch gleich in der Schule vorführen – die musikalische Feuerprobe war in Theorie und Praxis bestanden, die Leidenschaft entbrannt.

Rap-Battles im Internet und die Underground-Bewegung im Rap faszinierten ihn zunächst. Schnell stellte sich jedoch heraus: Rap-Battles sollten nicht sein Metier werden. Seine Gefühle und Gedanken darzustellen, erschien ihm wichtiger, als sich mit anderen Rappern in Sachen Reimen und Texten zu messen.

Erste CD kurz vor der Vollendung

Über sogenannte Free Beats konnte er seine Texte zunächst mit frei zugänglichen Instrumentals untermalen. 2010 hörte ihn seine Patentante, die den Kontakt zu einem Berliner Sprayer aus der Hip-Hop-Szene herstellte. Von ihm gab es zunächst Kritik: „Weitere Kontakte wollte er mir nur vermitteln, wenn ich mehr übe“, erinnert sich Demuth.

Der Göttinger nahm sich diese Bedingung zu Herzen, nahm mehr Songs auf und schickte sie erneut nach Berlin. Der erlösende Kommentar „Jetzt bist du soweit“ öffnete Demuth neue Türen. So leitete ihn der Berliner 2012 zum Verein „Klangkeller Kassel“ weiter. Der habe eigentlich das Ziel, „Jugendliche durch Musik von der Straße zu holen“, so Demuth.

Aber auch für den Göttinger bot der Verein eine Plattform, organisierte Auftritte und weitere Kontakte. Diese trugen Demuth voran: Statt Curse liefert nun Rapper Max Herre Inspirationen, statt mit Free Beats aus dem Internet sind Demuths Raps nun mit eigens produzierten Beats des Uslarer Rapper SiC unterlegt. Seine erste CD mit sechs eigenen Songs steht kurz vor der Vollendung.

Die Entwicklung des Musikers hängt aber nur zum Teil mit hilfreichen Kontakten zusammen. Talent, Köpfchen, Ehrgeiz und Spaß am Rappen zeichnen den jungen Künstler aus: „Ich rap’ halt irgendwie den ganzen Tag, auch unter der Dusche“, sagt er lachend.

Humor und Lebensfreude paaren sich bei dem Teenager mit der Gabe, eben diese Eigenschaften mit tiefgründigen Gedanken und Sinnfragen zu kombinieren und das Ganze in starken Texten nach außen zu tragen. Das spiegeln besonders die Songs „Kindergarten“ und „Phantasiereise“ wider. 

„Früher habe ich drei Tage für einen Text gebraucht, mittlerweile sind es nur noch drei Stunden. Ich bin dann wie in einem Tunnel“, beschreibt er seine ansehnliche Entwicklung. Input für seine Texte zieht Demuth „aus dem, was ich erlebe, aus meinem Alltag. Wenn ich eine Melodie höre, fließt alles raus, was in meinem Kopf ist.“

Noch nie so einen großen Auftritt

Wohlwissend, bei dem sonst Indie- und Alternative-dominierten Rock am Kaufpark als Solokünstler und Hip-Hopper ein kleiner Exot zu sein, freut sich Demuth auf den Wettbewerb: „Ich finde es super, dass auch anderen Musikstilen die Chance gegeben wird, sich zu präsentieren.“

Bisher sei die Förderung von Hip-Hop in Göttingen verhältnismäßig schlecht gewesen, findet Demuth, der seine musikalische Basis demnach eher in Kassel gefunden hat.

Umso spannender für ihn, dass er nun mal ein „Heimspiel“ hat: „Ich hatte noch nie so einen großen Auftritt. Ich hoffe, dass die Leute gut mitgehen werden. Im Vergleich zu den anderen Bands ist meine Musik vielleicht nicht so tanzbar, dafür aber zum Mitfühlen“, meint der junge Musiker.

Ganz allein ist der Solokünstler auf der Bühne übrigens dann doch nicht: DJ Sticmatic, einer der Mitbegründer des Klangkeller-Vereins, wird bei Rock am Kaufpark an den Turntables stehen und Demuths Rap mit Beats untermalen. So wird an diesem Abend vielleicht manch überzeugter Rock-Anhänger im Publikum zum Hip-Hop konvertieren.

Von Katharina Kilburger