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Weltweit Achter Poetry Slam im Opernhaus thematisiert das Wetter
Nachrichten Kultur Weltweit Achter Poetry Slam im Opernhaus thematisiert das Wetter
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00:15 02.05.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Dichten heißt immer auch leiden: Tobias Kunze aus Hannover. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Zum achten Mal fand der Dichterwettbewerb im Opernhaus statt. Neun Vortragskünstler (sonst sind es zehn, eine Dichterin fehlte krankheitsbedingt) traten gegeneinander an. Jeder Autor hat sieben Minuten Zeit, seinen Text vorzutragen. Zehn zufällig ausgewählte Zuschauer geben die Punktrichter; zehn Punkte gibt es für eine Meisterleistung, Null für den absoluten Reinfall.

Beim achten Poetry Slam im Opernhaus war die Stimmung wie immer gut, und die Jury gnädig - weniger als fünf Punkte wurden nie vergeben. So ist das eben beim Poetry Slam: Es gewinnt, was der Masse gefällt. Alles, was ein bisschen quer steht, was vielleicht etwas nachdenklich, ein wenig leiser im Vortrag und auch nicht ganz so witzig ist, hat nur wenig Chancen.

Routinier des Gewerbes siegt im Wettbewerb

Sieger wurde dann auch ein Routinier des Gewerbes: Klaus Urban, Kleinkünstler aus Stadthagen, riss das Publikum mit seinem Text „Liebe ist eine Tätigkeit“ zu Jubelstürmen hin. Urban beginnt seinen Vortrag in der Form eines Essays mit dem ganz richtigen Gedanken, dass Liebe nicht nur etwas ist, das sich ereignet, sondern eine Tätigkeit. Man muss etwas tun für die Liebe. Dann überschüttet er das Publikum mit Verben, die sich am Ende ins Orgiastische steigern: „stöhnen, ächzen, jammern, jubilieren, juchzen und schluchzen, jauchzen, lachen, quieken.“ Auf Kleinkunstbühnen hat das sicher seine Berechtigung.

Aber dieser Poetry Slam war im Ganzen doch mehr als frühlingsgefühlebegleitendes Verbengeklimper. Neben Wetterfühligkeiten (von denen auch der ausdrucksstarke hannoversche Slammer Tobias Kunze eine beisteuerte) gab es auch spannende neue Texte von jungen Autoren. Auffällig waren die jugendlichen Weltschmerzartikulationen von Luc Spada und die klugen Aufbegehrlichkeiten eines Jungdichters, der sich schlicht „Elias“ nennt. Er sagte den schönen Satz „Das Wort unserer Generation ist Generation“ und kam mit Urban ins Finale.

Erzählung über Männerabend schafft es ins Finale

Dorthin schaffte es auch Richard Schuster aus Hannover. Der hatte eine Erzählung über einen Männerabend mitgebracht. Man schlägt einander ins Gesicht, guckt sich „Strong Bernd“ beim Traktorenziehen auf DMAX an und reibt sich immer mal wieder mit Mett ein (womit nur die harmloseren Tätigkeiten des Treffens beschrieben wären).

Der weitgehend gebrüllte Vortrag sowie die Schmerzfreiheit in der Beschreibung der feiernden Männer kamen gut an. Im Finale erfreute Schuster die Zuhörer mit einem schön überdrehten Text über das Phänomen plötzlicher Spießigkeit. Schuster schreibt bissig, frisch und ohne Selbstmitleid. Er sollte sich mal ans Verfassen eines Jugendbuches wagen.

In späteren Wettbewerben sind „Team Slams“ geplant

Die Gastgeber Henning Chadde und HAZ-Redakteur Jan Sedelies denken mittlerweile über vorsichtige Veränderungen des Formats nach. Den nächsten Slam im Opernhaus wird es am 6. Oktober noch im klassischen Format geben. Danach sind „Team Slams“ geplant, bei denen Dichtergruppen gegeneinander antreten oder „Dead or Alive Slams“, bei denen Texte toter Dichter von Schauspielern gesprochen werden.

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