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Weltweit Akustik im neuen Mariinski Theater verspricht „idealen“ Hörgenuss
Nachrichten Kultur Weltweit Akustik im neuen Mariinski Theater verspricht „idealen“ Hörgenuss
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16:14 29.04.2013
Blick in das neue Mariinski Theater in St. Petersburg während einer Akustikprobe. Quelle: dpa (Archiv)
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St. Petersburg

Für Freunde klassischer Musik bietet der Neubau des Mariinski Theaters in St. Petersburg aus Sicht des Münchner Akustikers Jürgen Reinhold den „idealen“ Klang. „Anders als in historischen Rangtheatern gibt es hier keinen Plüsch. Es gibt ein ideales Volumen, damit sich der Klang im Saal entfalten kann“, sagte der Klangmeister von der Münchner Firma Müller-BBM in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in St. Petersburg.

Das für 500 Millionen Euro gebaute Musiktheater habe nur drei Galerien. Dadurch entstanden große Öffnungen von über vier Metern Höhe zwischen den Rangebenen. In den großen berühmten Theatern der Welt seien häufig nur 2,50 bis 3 Meter vorhanden. „Im Mariinski kommt viel mehr Schallenergie zu den Zuhörern. Dadurch bleibt auch in den hinteren Reihen der Klanggenuss voll erhalten“, betonte der Ingenieur.

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Geänderte Hörgewohnheiten der Opernliebhaber

„Mit 18.000 Kubikmetern Rauminhalt ist der 2000 Zuschauer fassende Theatersaal ideal für Operndarbietungen.“ Weder der Altbau des Theaters nebenan noch etwa das Bolschoi in Moskau, das Reinhold ebenfalls akustisch gestaltete, böten solche Bedingungen. „In historischen Häusern ist Sprache und Gesang zwar oft sehr präzise, der Raumklang jedoch sehr trocken und wenig lebhaft“, sagte er.

„Die Hörgewohnheiten der Opernliebhaber haben sich geändert. Heute wird ein deutlich längeres Nachklingen, ein Verschmelzen des Klanges und Einhüllen in die Musik gewünscht - und dafür braucht es Weite“, führte Reinhold aus.

Optimale Lufthöhe im Orchestergraben

Auch Stardirigent Waleri Gergijew, der Leiter des Mariinski und künftige Chef der Münchner Philharmoniker, hatte die Akustik als ausgezeichnet gelobt. Allein über dem Orchestergraben mit Platz für bis zu 120 Musiker hat der Pultstar 20 Meter Lufthöhe über sich - das gilt als optimal.

„Weil die Hufeisenform des Saals den Klang bündelt, haben wir als Gegenpol bauchige Formen an den Wandflächen und Brüstungen für eine Streuung des Klanges geschaffen“, sagte Reinhold. Wichtig sei dabei auch das Material. Die Balkone etwa seien aus Buchenholz. An den Wänden sei Spezialgips verarbeitet worden. Aber auch beim Boden hätten die Akustiker trotz erster Bedenken von Brandschützern eine „Holztragstruktur“ durchgesetzt - gegen den oft verwendeten Beton.

dpa