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Weltweit Berlin Festival 2011 eröffnet mit James Blake
Nachrichten Kultur Weltweit Berlin Festival 2011 eröffnet mit James Blake
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14:44 10.09.2011
Von Karsten Röhrbein
Superstar: James Blake in Berlin. Quelle: dpa
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Berlin

Hellblaues Hemd, hautenge Jeans: So unspektakulär sieht Musikkonsens 2011 aus. Sobald James Blake aber zwischen E-Piano und Synthesizer Platz nimmt und die Augen schließt, ist klar, warum sich sowohl Techno- als auch Indie-Rock-Fans auf den 22-jährigen Briten einigen können. Andere verstecken sich hinter ihren Laptops, James Blake gibt dem Dubstep Gesicht, Soul und Stimme. Nicht nur eine, sondern viele, wie er bei in „I Never Learnt To Share“ eindrucksvoll zeigt. Die kargen, traurigen Textzeilen, die Blake singt, wiederholt sein Effektgerät. Bei jeder Wiederholung wird Blake vom Nachhall begleitet: Fünf, sechs Stimmen überlagern sich am Ende, umtänzeln und verstärken sich.

Beim bejubelten „Limit To Your Love“-Cover bricht sich dann britische Bassmusik Bahn: Das Klaviermotiv, das er seiner Kollegin Leslie Feist abgehört hat, verkürzt Blake mit jeder Wiederholung, bis ein ungeheures Bassgewitter losbricht. Eine Tieftonmassage für die Magenkuhle. Dann wieder: Stille. Mit dieser eklektischen Mischung hat Blake sein eigenes Genre begründet, Post-Dubstep. Für alle, die den Ausnahmemusiker im Frühjahr im Techno-Tempel Berghain verpasst haben, hat sich der Besuch auf dem Tempelhofer Flughafen schon jetzt gelohnt.

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Während die Festivalbesucher draußen den herbstlichen Temperaturen trotzen, gab sich die Musikbranche zum Ende der „Popkomm“ nebenan arg verschnupft.

Die Messe, die auch unter dem Dach der Berlin Music Week läuft, die mit dem Popfestival in Tempelhof ihr Finale einläutete, hatte in diesem Jahr weniger Besucher als zuvor. Und dann die ewige Raubkopiererei! 2010 zählte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) 46 Millionen illegal heruntergeladene Alben – immerhin 16 Millionen wurden legal erworben. „Internetpiraterie ist kein Kavaliersdelikt“, hatte Wirtschaftsstaatssekretär Hans-Joachim Otto deshalb bei der zur Kontaktbörse geschrumpften Messe betont. Dabei gäbe es auch Positives herauszustellen: Wie der Branchendienst Meedia.de mithilfe der GfK-Statistik errechnet hat, überwog bei den 414 Millionen einzeln heruntergeladenen Songs 2010 erstmals der Anteil der legalen Downloads (229 Millionen Titel).

Die rund 5000 Besucher, die zum Auftakt des Berlin Festivals kamen, sahen jedenfalls viele gute Gründe, Musiker durch Albenkäufe zu unterstützen – auch wenn im vergangenen Jahr deutlich mehr los war. Die House-Disko der Französin Yelle etwa, die in Hangar 5 Station machte. Die Headliner des Tages aber waren alte Grenzgänger: Suede erinnerten daran, wie glamourös und abgründig Britpop Anfang der Neunziger mal war, Primal Scream aktualisierten die Stücke ihres 20 Jahre alten Rave-Meilensteins „Screamadelica“ gewohnt spleenig. Spannender dürfte heute aber die Reunion der Hip-Hop-Pioniere Beginner sein, für die Jan Delay sogar seine Solokarriere auf Eis legt. Eine Vergangenheit mit Zukunft.

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