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Weltweit Protest? Ich protestiere!
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00:15 30.08.2013
Von Uwe Janssen
His Bobness in den wilden Siebzigern. Quelle: akg Berlin
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Hannover

Die Geschichte von Bob Dylans Doppelalbum „Self Portrait“ ist auch die Geschichte von Greil Marcus. Der Musikkritiker hatte 1970 seine Rezension im Magazin „Rolling Stone“ mit dem unverblümten Satz „What is this Shit?“ begonnen und das Album dann verwundert, bestürzt und ein bisschen beleidigt auseinandergenommen. Für Marcus und andere ähnlich empörte Schreiber war „Self Portrait“ ein Auswuchs der Unzufriedenheit Dylans mit seinem Volksheldenstatus. Und es war ein Betrug am Kunden. Denn anstatt sich den Problemen der Welt zu widmen, den Finger zu heben oder in Wunden zu legen, zu mahnen und dem Protest eine Stimme zu geben, schien sich Dylan - der Instrumentalisierung seines kritischen Geistes überdrüssig - in den Schaukelstuhl zu setzen und selbstgefällig bis trotzig Countrymusik zu spielen, ausgerechnet Country, dieses Gegenteil von Auflehnung und Dagegensein.

„Self Portrait“ war eine Sammlung von Coverversionen alter Blues-, Folk- und Countrysongs, ergänzt mit Demos und Alternativversionen eigener Lieder. Und einer grauenhaften Interpretation des Simon-&-Garfunkel-Hits „The Boxer“, die wie eine Veralberung klingt, weil Dylan sowohl Simon als auch Garfunkel ist und mit sich selbst ziemlich schlampig und schief im Duett singt.

„Self Portrait“ war das erste Album des Musikers, das bei der Kritik durchfiel. Dagegen verkaufte es sich beim Publikum trotz aller Verrisse immer noch bestens. Doch die Fachpresse fühlte sich provoziert, vor den Kopf gestoßen. Und sie legte es Dylan als Absicht aus. Dabei hatte er einfach gegen sich selbst protestiert. Er selbst drückte es später anders aus: Er habe auf die vielen Bootlegs, also die illegalen Mitschnitte seiner Songs reagieren wollen und ein eigenes Bootleg herausgebracht. Jetzt ist ein zumindest für Dylan-Fans interessanter Nachklapp zu diesem Streitfall auf dem Markt: „Another Self Portrait“ erscheint in der Reihe „The Bootleg Series“ unter der Laufnummer 10 und ist spannender als so mancher Vorläufer.

Übermalt Dylan sein Selbstporträt? Ja und nein. Einerseits heißt es „Another“ und nicht „The Real“, andererseits erklärt das neue Selbstporträt, wie die Sache damals eigentlich gemeint war. Denn einige der aufgenommenen Countrysongs waren ohne Beisein von Dylan nachträglich mit Streichern, Hörnern und allerlei Pomp aufgebrezelt worden und entfernten das Album noch weiter von allen Erwartungen.

Neben diesen entschlackten „Korrekturen“ gibt es einige Liveaufnahmen und Demos, dazu Unveröffentlichtes aus den Sessions zu den Alben „Nashville Skyline“ und vor allem „New Morning“, mit dem er kurz darauf auch die Kritiker wieder milde stimmte. Dass der „Boxer“ für diese neue Zusammenstellung nicht wieder aufsteht, ist eine nette Geste. Für Fans von His Bobness eine reiche Fundgrube. Für alle anderen ein weiterer Beweis für die unfassbare Schaffenskraft dieses Mannes.

Am 18. Oktober gastiert Dylan in der hannoverschen AWD-Hall.

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