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Weltweit Hallo Hippies!
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22:32 30.09.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Hingebungsvoll: Jens Plewinski als Berger und Jonas Hein als Claude. Quelle: Hartmann
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Hannover

Ein Kronleuchter ist kein Hubschrauber. Aber im Theater kann er schon mal als solcher durchgehen. Also fährt der geschmackvoll gestaltete Leuchter im Stadttheater Hildesheim zu Rotorengedröhn nach oben, alle Lichter im Saal blinken, Suchscheinwerfer tasten die Bühne ab, das Rattern von Maschinengewehren ist zu hören. Auf dem eisernen Vorhang sind Kriegsfotos aus Vietnam zu sehen.
Aber der Rauch auf der Bühne kommt am Ende doch nicht vom Gewehrfeuer, sondern von Glut. Tief inhalieren die Hippies ihre Joints. Good Morning Star-shine: Wir sind im Amerika der sechziger Jahre. Das Theater für Niedersachsen spielt „Hair“.

Wer den Film von Milos Foreman kennt, dürfte sich wundern: Das Musical von Gerome Ragni und James Rado ist ganz anders. Es ist eher eine Zustandsbeschreibung als eine halbwegs dramatische Geschichte. Es ist, als schaute man kurz mal bei den Hippies in der Kommune vorbei. Die sind vor allem mit Singen beschäftigt. Insgesamt 31 Songs sind in der Hildesheimer Aufführung in zwei Stunden zu hören – da bleibt kaum noch Platz für eine Rahmenhandlung und schon gar nicht für dramatische Verstrickungen oder für irgendeine Entwicklung. Während Foremans Film immerhin noch eine schöne Liebesgeschichte erzählte, geht’s im Musical allein um Freundschaft, Liebe, Frieden und Marihuana: lauter sich dehnende Momentaufnahmen.

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Katja Buhls Inszenierung wirkt dann auch in all ihrer tänzerischen Wuseligkeit recht statisch; lange Haare, bunte Klamotten, irres Lachen, Rauch, mehr scheint da nicht zu sein. Das Ensemble wirkt wie eine singende Altkleidersammlung. Schwierig ist es besonders zwischen den Songs, wenn die Darsteller der Hildesheimer Musicalcompany versuchen, Coolness und Lässigkeit zu spielen. Sie fläzen sich in die Kissen, streichen sich das Haar hinters Ohr, rauchen und lachen unsicher. Oje, das verspricht haarig zu werden.

Doch dann passiert etwas Merkwürdiges, etwas Theaterschönes: Das hochprofessionelle Hildesheimer Musicalensemble singt so hingebungsvoll, dass das Ganze am Ende doch mehr ist als nur ein Besuch im Theatermuseum. Jonas Hein und Jens Plewinski als Hippiefreunde Claude und Berger federn über die Bühne und singen mit Verve und viel Gefühl. Ein auffällig quirliger Jens Kraus (der Puck beim „Sommernachtstraum“ in Herrenhausen) ist in drei Nebenrollen zu sehen. Bravourös tanzen und singen Caroline Zins als Sheila und Magdalene Orzol als Crissy.
Dem Ensemble – und dem siebenköpfigen Orchester um Andreas Unsicker – gelingt es tatsächlich, das alte Stück zum Funkeln zu bringen. Weil alle mit Liebe bei der Sache sind. Entsprechend glaubwürdig vermitteln sie die Botschaft von Liebe, Glück und alledem.

Wieder am 18. und 31. Oktober in Hildesheim. Am 8. November in Burgdorf und am 12. November in Wunstorf.

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